War diese Distanz von Vorteil?

Ja, ich denke schon. Ich habe den Stoff behandelt, als wäre er eine wahre Geschichte und entwickelte dadurch meine eigene Sensibilität für Han Solo und seinen Charakter. Was mir aufgefallen ist: All die Leute, die seit 20, 30 Jahren an "Star Wars"-Filmen mitarbeiten, haben bislang keinerlei Routine entwickelt. Es ist immer noch so, dass sie voller Feuer sind und eine Welt immer wieder aufs Neue erschaffen wollen.

Ist die digitale Tricktechnik für Sie eigentlich Neuland? Ihre letzten
Filme waren ja eher keine Effektespektakel.

Ich mag digitale Technik sehr und alles, was man damit machen kann. Aber ich bin trotzdem immer bemüht, bei Spezialeffekten so viel wie möglich Handarbeit anzuwenden. Trotzdem sind die Vorteile des Digitalen enorm: Allein schon aus dem Grund, weil man Stunts viel sicherer machen kann. In der Postproduktion lässt sich ja jedes Sicherheitsseil heraus retuschieren, das war früher nicht möglich. Vor den Actionszenen hatte ich im analogen Zeitalter des Films richtig Angst.

Welche Beziehung haben Sie zu "Star Wars"-Schöpfer George Lucas?

Er hat uns ein paar Mal am Set besucht, weil er sehr interessiert an dem Film war. Ich kenne ihn schon eine Ewigkeit, mit ihm drehte ich "American Graffiti", wo ich als Schauspieler vor der Kamera stand. Ich weiß jetzt, nachdem ich selbst einen "Star Wars"-Film gedreht habe, welche Leistungen er damals vollbracht hat. Diese Filme funktionieren nach ganz eigenen Gesetzen, die mit nichts sonst vergleichbar sind.

Welchen Stellenwert bekommen große Eventfilme wie dieser in Zeiten von Netflix & Co?

Man muss über solche Filme als Formate sprechen. Es gibt Serien, halbstündige Sitcoms, Spielfilme, und so fort. Es kommt darauf an, wie die Regisseure und Produzenten das Publikum begeistern können. Das findet heute nicht mehr nur auf der großen Leinwand statt, das ist klar. Die Idee des Kinofilms ist, dass er - am Stück gesehen - eine gewisse Dramaturgie und einen Rhythmus entfaltet, der eine emotionale Kraft auf den Zuschauer ausübt. Andere Formate sind mehr wie Romane, die man über einen längeren Zeitraum in Teilen aufnimmt. Leider bestimmt am Ende das Publikum, was es sehen will, und nicht die Studios. Wenn die Zuschauer kein Interesse mehr am Kino zeigen, dann wird es unmöglich, solche Filme finanziert zu bekommen. Man kann das Publikum ja nicht zwingen, zu kommen. Die Autoren und Regisseure müssen auf eine solche Situation eben reagieren. Ich habe darüber kürzlich mit Martin Scorsese gesprochen: Er meinte, zuerst gab es keinen Sound, dann kam das Fernsehen, und alle dachten, das Kino wäre tot. Er meinte auch, es gab schon vor dem Kino viele Arten, Geschichten zu erzählen - die Zukunft des Kinos hängt davon ab, was sich die Geschichtenerzähler als Nächstes einfallen lassen.