Bei Schnee Unterschlupf
in der Moschee

Als es im Januar 2016 in Istanbul heftig schneite, öffnete ein Imam ganz selbstverständlich die Türen seiner Moschee für frierende Straßenkatzen. Weil solche Aktionen aber nicht ausreichen, gibt es seit Ende letzten Jahres in Cihangir einen Katzenpark, eingerichtet von der Bezirksverwaltung. In einem Ein-Meter-Häuschen finden Dutzende Tiere Zuflucht.

Sibel Benekli steht dort geduckt zwischen Dutzenden Tieren, verteilt gespendetes Katzenfutter, säubert die Tiere und achtet darauf, dass die Kranken von einem Arzt möglichst kostenlos behandelt werden. Viele einäugige Katzen hocken in dieser Sicherheitszone. Ihre Augenkrankheiten wurden nicht behandelt, sodass sie eines verloren haben. Andere humpeln, oder es fehlt ihnen gleich ein ganzes Bein - verunglückt im verrückten Verkehr von Istanbul. "Unsere Mittel sind bescheiden, wir brauchten viel mehr", sagt Sibel Benekli.

Die Stadt hat in ihrer zweitausendjährigen Historie vieles verloren: ihre einstige historische Bedeutung, ihren osmanischen Glanz und ihre noch vor wenigen Jahren so hervorgehobene Lockerheit - nur die Straßenkatzen, die sind immer geblieben.

Die Tiere werden hier nicht nur geduldet, sie sind Teil der religiösen Geschichtsschreibung. So erzählt man sich, auch der islamische Prophet Mohammed sei ein Katzenliebhaber gewesen. Er selbst habe eine Katze namens Muezza besessen. Eine Legende besagt, dass Katzen auch deswegen aus einem Fall aus größerer Höhe immer auf die Füße fallen, weil der Religionsstifter das Tier mit seiner heiligen Hand den Rücken gestreichelt habe - deswegen muss ein von Mohammed selbst gesegneter Körperteil auch immer nach oben weisen.

Der bekannteste Kater der Gegenwart ist Tombili (Pummelchen). Das dicke Tier lag oft auf den Bordsteinen im alternativen Viertel Kadiköy auf der asiatischen Seite herum, alle Viere ganz weit von sich ausgestreckt. Für die Istanbuler war er der gemütliche Nachbar, der selbstbewusst und dabei lässig durch ihre engen Gassen zog. Ein Foto von ihm, wie er gewohnt gleichgültig auf einer Straßenstufe liegend die Menschen um sich herum beobachtete, wurde zu einem internationalen Internetphänomen. So war auch die Trauer groß, als Tombili im August 2016 verendete. Auf Wunsch der Anwohner wurde ihm zu Ehren eine Statue gegossen.

Kurzzeitpflege für Kater
und naive Träume

Unzählige kleine Einzelinitiativen wie auch der Verein "Kirik Kuyruk" (abgeknickter Schwanz) kümmern sich um den Schutz der Tiere. Über dessen Internetseite können sich Katzenfreunde vernetzen, sich gegenseitig unterstützen. Wer etwa eine Straßenkatze in die Kurzzeitpflege aufgenommen hat, kann hier nach einer neuen Familie schauen. Wer ein Straßentier retten will, kann sich einen Fangkäfig ausleihen.