Es war ein ruhiger Tag im Herbst 2013, als bei Wim Wenders das Telefon läutete. Dario Vigano, der Präfekt der Kommunikationsabteilung des Vatikan, war dran. Wenders hört gespannt zu. Am Ende des Gesprächs steht er mit dem Wunsch des Vatikan da, einen Film über den damals soeben zum Papst gewählten Jorge Mario Bergoglio zu drehen - mit dem Heiligen Vater höchstselbst vor Wenders’ Kamera.

So eine Bitte schlägt man nicht aus, mag sich Wenders gedacht haben. Und machte sich an die Arbeit. Erst drei Jahre später fanden die Dreharbeiten mit dem Papst statt, im vergangenen Mai hatte "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere. Wenders hat seine Doku, die ab Freitag im Kino läuft, mehr als filmisches Fest für den Papst angelegt und bietet den Kritikern von Franziskus keinen Raum: Zu sehen ist also, was die Beliebtheit dieses Papstes ausmacht: seine immerwährende Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen.

"Wiener Zeitung": Herr Wenders, wie war der Moment, als Sie dem Papst das erste Mal gegenüber standen?

Wim Wenders: Ich habe mich mit dem Papst zwei Jahre lang beschäftigt, ehe ich ihm das erste Mal die Hand geschüttelt habe. Dieser Händedruck war beim ersten Drehtag mit ihm. Eine Viertelstunde später haben wir angefangen zu drehen. Nach zwei Jahren Beschäftigung mit dem Mann stand Franziskus das erste Mal vor mir und kam auch ganz allein in den Raum, gar nicht mit Entourage, sondern plötzlich ging die Tür auf und er kam alleine rein. Das war ein besonderer Moment.

Gab es Vorgaben seitens des Vatikan?

Nicht eine einzige. Es ist ja keine Produktion des Vatikan, die haben sich, außer es zu initiieren, aus allem rausgehalten.

Kannte der Papst Ihre Filme?

Er hat nie einen Film von mir gesehen. Das war auch das Erste, was er mir sagte: "Sie müssen verstehen, man hat mir viel von Ihnen erzählt, aber ich schaue mir gar keine Filme an." Dario Vigano hingegen, über den das Projekt zustande kam, ist Kommunikationswissenschafter, hat Film studiert, hat Bücher über Filme geschrieben und hatte auch einen Filmclub betrieben, wo ich einmal zu Besuch war.

Wie haben Sie den Papst erlebt?

Er ist ein extrem kommunikativer Mensch. Aus ihm strahlen eine große Menschenfreundlichkeit und eine enorme Herzlichkeit. Wie er auf Menschen zugeht und wie er in sehr einfachen Worten sagt, was er denkt, das empfinde ich als einen ganz neuen Wind aus dem Vatikan. Einen franziskanischen Wind.

Haben Sie den Eindruck, dieser frische Wind wird zu dauerhaften Veränderungen in der Kirche führen?