Und auch Elizabeth T. Spira lässt grüßen. Für die erste Hälfte des Films, in der ein Kamerateam Coach Steve begleitet, ließen sich Convey und seine Kollegen durchaus von Spiras "Alltagsgeschichte" inspirieren. Gedreht wurde auch in einer kleinen Wohnung im 10. Bezirk, in der Hauptdarsteller Markus Giefing (Coach Steve) auf einem Sofa sitzt und die Reporter in die Welt des Daumenwrestlings einführt. Er stellt ihnen seinen neuen Titelanwärter vor, bevor es ans Eingemachte geht: Es folgen Training, Turniere, eine furchtbare Niederlage samt Daumenbruch und die Suche nach Lukas, der wieder für ihn in den Ring steigen soll.

14 Drehtage in 20 Monaten

Wie diese Geschichte ausgeht und welche charakterliche Wandlung Coach Steve vollzieht, war von Anfang an festgelegt - der Weg dorthin hat allerdings "immer wieder kleine Abzweigungen in unerwartete Richtungen genommen", erzählt Convey. Das hat damit zu tun, dass die in Summe nur 14 Drehtage sich durch den Charakter des Projekts auf insgesamt 20 Monate verteilt haben. "Nach jedem Drehtag war für alle anderen einmal ein, zwei Monate Stille, während ich mir das Material in Ruhe angeschaut, geschnitten und überlegt habe, wie wir weitermachen könnten. Und dann musste wieder ein gemeinsamer Drehtermin gefunden werden."

Wenn dann alle wieder zusammenkamen, brachten neben Convey auch die anderen neue Ideen ein, die am Set spontan umgesetzt wurden. "Das hat dem Film ein paar neue Richtungen gegeben." Am Ende dürften geschätzte 40 Prozent der Handlung und der Dialoge im Endprodukt dem ursprünglichen Drehbuch entsprechen. "Das Gerüst ist dasselbe: der Anfang, das Ende und der Weg der Hauptfiguren - aber mitten in dem Prozess sind auch ganze Figuren neu entstanden, weil es sich ergeben hat", erzählt Convey. Zum Beispiel gibt es jetzt eine nicht unwichtige weibliche Nebenrolle, die zunächst gar nicht im Skript stand. "Aber wir sind mittendrin draufgekommen, dass wir sie brauchen."

Die Zuschauer wird es freuen, dass Convey und sein Team sich diese künstlerischen Freiheiten genommen haben, die sonst nicht so leicht möglich sind. "Ein Produzent hätte mich als Regisseur wahrscheinlich auf den Mond geschossen", bekennt Convey freimütig. "Aber das ist halt der Vorteil, wenn man nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist."