Daumenwrestling ist ein brutaler Kampfsport, wenn man ihn ernsthaft betreibt. Oder zumindest ist es Flo Convey und seinen Kollegen gelungen, die Kampfszenen in ihrer neuen Sportkomödie "Die Rückkehr des Daumens" brutal aussehen zu lassen. "Wir haben natürlich eine dynamische Kamera benutzt, aber es war für uns Darsteller schon sehr hart. Die Leute haben sich da richtig durch die Gegend geschmissen", erzählt Convey, der als Co-Autor, Regisseur und Schauspieler fungiert hat - eine Abwechslung von seinen sonstigen Engagements in der Werbebranche.

Derzeit sucht er einen Verleih, der seinen Independent-Film in die Kinos bringt. Finanziert wurde das Projekt aus der eigenen Tasche, neben viel Herzblut stecken in dem Projekt nur "ein paar tausend Euro, hauptsächlich fürs Licht, für die Verpflegung der Mitwirkenden und für die Postproduktion". Um Förderungen hat Convey im Gegensatz zu früheren Projekten - "einmal habe ich eine Förderung bekommen, zweimal nicht" - diesmal nicht angesucht. "Erstens ist das ohne Produktionsfirma schwierig, und zweitens war besonders dieses Projekt in einer schriftlichen Einreichung schwer zu beschreiben."

Rocky trifft Spira

Wer den Film sieht, versteht sofort, was er meint. Die Wurzeln der Handlung liegen im Daumenwrestling-Kurzfilm "Thumb of the Tiger - Die Lukas Niedevsky Story", den Convey (als Lukas Niedevsky) mit derselben Crew einige Jahre früher gedreht hat. "Die Rückkehr des Daumens" spielt zehn Jahre später: Lukas wurde der Daumenwrestling-Meistertitel - den er in "Thumb of the Tiger" erobert hatte - aberkannt, und er hat sich in seinen Yoga-Garten zurückgezogen, während sein abgehalfterter Trainer Coach Steve mit einem neuen Schützling verzweifelt am Comeback arbeitet. Dabei kommt ihm sein alter Intimfeind King Gustl (Alexander Linhardt glänzt als schmieriger Ungustl) in die Quere, und es gibt wieder brutale Duelle. "Wir haben da echt fünf, sechs Minuten am Stück gekämpft und mussten dann einmal ordentlich durchschnaufen. Auch der Bodybuilder, der dabei war", erzählt Convey.

Apropos Bodybuilder: Neben proletoiden Typen (in Gestalt von Coach Steve) wird im Film auch die Fitness-Szene aufs Korn genommen. "Mir war dabei aber von Anfang an wichtig, dass wir keine Klamauk-Proleten-Komödie machen, sondern eine gewisse Tiefe hineinbringen, mit echten Schicksalen, ein bisschen Drama - und auch einer gewissen Hommage an pathetische US-Sportfilme", betont Convey. "Wir wollten weg vom oberflächlichen Humor." Also stecke schon mehr Rocky als Mundl Sackbauer drin.

Und auch Elizabeth T. Spira lässt grüßen. Für die erste Hälfte des Films, in der ein Kamerateam Coach Steve begleitet, ließen sich Convey und seine Kollegen durchaus von Spiras "Alltagsgeschichte" inspirieren. Gedreht wurde auch in einer kleinen Wohnung im 10. Bezirk, in der Hauptdarsteller Markus Giefing (Coach Steve) auf einem Sofa sitzt und die Reporter in die Welt des Daumenwrestlings einführt. Er stellt ihnen seinen neuen Titelanwärter vor, bevor es ans Eingemachte geht: Es folgen Training, Turniere, eine furchtbare Niederlage samt Daumenbruch und die Suche nach Lukas, der wieder für ihn in den Ring steigen soll.

14 Drehtage in 20 Monaten

Wie diese Geschichte ausgeht und welche charakterliche Wandlung Coach Steve vollzieht, war von Anfang an festgelegt - der Weg dorthin hat allerdings "immer wieder kleine Abzweigungen in unerwartete Richtungen genommen", erzählt Convey. Das hat damit zu tun, dass die in Summe nur 14 Drehtage sich durch den Charakter des Projekts auf insgesamt 20 Monate verteilt haben. "Nach jedem Drehtag war für alle anderen einmal ein, zwei Monate Stille, während ich mir das Material in Ruhe angeschaut, geschnitten und überlegt habe, wie wir weitermachen könnten. Und dann musste wieder ein gemeinsamer Drehtermin gefunden werden."

Wenn dann alle wieder zusammenkamen, brachten neben Convey auch die anderen neue Ideen ein, die am Set spontan umgesetzt wurden. "Das hat dem Film ein paar neue Richtungen gegeben." Am Ende dürften geschätzte 40 Prozent der Handlung und der Dialoge im Endprodukt dem ursprünglichen Drehbuch entsprechen. "Das Gerüst ist dasselbe: der Anfang, das Ende und der Weg der Hauptfiguren - aber mitten in dem Prozess sind auch ganze Figuren neu entstanden, weil es sich ergeben hat", erzählt Convey. Zum Beispiel gibt es jetzt eine nicht unwichtige weibliche Nebenrolle, die zunächst gar nicht im Skript stand. "Aber wir sind mittendrin draufgekommen, dass wir sie brauchen."

Die Zuschauer wird es freuen, dass Convey und sein Team sich diese künstlerischen Freiheiten genommen haben, die sonst nicht so leicht möglich sind. "Ein Produzent hätte mich als Regisseur wahrscheinlich auf den Mond geschossen", bekennt Convey freimütig. "Aber das ist halt der Vorteil, wenn man nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist."