• vom 30.06.2018, 10:01 Uhr

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Wie man als Bond-Girl überlebt




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Von Matthias Greuling

  • Die französische Schauspielerin Eva Green ist in "Euphoria" und "Nach einer wahren Geschichte" in den Kinos zu sehen.

Eva Green in Polanskis "Nach einer wahren Geschichte".

Eva Green in Polanskis "Nach einer wahren Geschichte".© StudioCanal Eva Green in Polanskis "Nach einer wahren Geschichte".© StudioCanal

Begonnen hat alles, als Eva Green in ihrer Rolle als Vesper Lynd James Bond in Gestalt von Daniel Craig schöne Augen machte - um am Ende in einem versinkenden Palazzo von Venedig zu ertrinken. "Casino Royale" begründete die Weltkarriere der 1980 geborenen Französin, und zugleich offenbarte dieser Mainstream-Agentenfilm auch, wie vielschichtig Green selbst in dieser Rolle als Bond-Girl gewesen ist. Da war kein Anflug von Oberflächlichkeit zu erkennen, vielmehr: großes Flirt-Theater, viel Verführung, ein Augenaufschlag Marke kühl-dominant, mit herzlich-leidenschaftlichem Unterton. Das ist es, was die meisten Figuren, die Eva Green spielt, ausmacht: Sie zelebrieren durch und durch eine Weiblichkeit, die jedes Klischee hinter sich lässt. Diese Figuren sind souveräne und zugleich fragile Tonangeberinnen, aber sie würden sich niemals um ihrer selbst in den Vordergrund spielen.

Darstellerisch flexibel
Eva Green ist diese Woche mit gleich zwei neuen Filmen in unseren Kinos zu sehen, die beide ihre darstellerische Bandbreite gut ausloten: In "Euphoria" der Schwedin Lisa Langseth gibt Green eine junge Frau, die ihren Kampf gegen den Krebs aufgegeben und sich dazu entschlossen hat, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen - sehr zum Missfallen ihrer Schwester (Alicia Vikander). In Roman Polanskis "Nach einer wahren Geschichte" ist Green als rotlippiger Vamp und "größter Fan" einer Schriftstellerin mit Schreibblockade (Polanski-Gattin Emmanuelle Seigner) zu sehen, deren Leben sie nach allen Regeln der Luder-Kunst infiltriert. Polanski-Fans der ersten Stunde sehen darin eine Rückbesinnung des umstrittenen Altmeisters auf seine frühen, von mysteriösen Figuren bevölkerten Dramen, die mit dem Medium Kino noch frei experimentierten. Beide Figuren haben auf den ersten Blick wenig gemein, und doch ist es nur logisch, dass Eva Green sie darstellt. Die Schauspielerin mit Pariser Model-Vergangenheit kann auf der Leinwand den roten Lippenstift ebenso beherrschen wie die tödliche Krankheit - ein Umstand, der sie einerseits als kühle Femme Fatale, andererseits als leidensfähige Frau wirken lässt. In der Tat haben wenige Frauen im europäischen Kino diesen Mix im Repertoire, noch weniger jene, die auch internationale Karriere gemacht haben.


Denn Eva Green ist inzwischen ein Weltstar. Bernardo Bertolucci entdeckte sie für seine 68er-Romanze (oder besser: für seine Romanze mit dem Jahr 1968) "Die Träumer" (2003). Ein Film, der von Eva Green viel Nacktheit erforderte, sie dennoch aber nie als Sexobjekt wirken ließ. Dafür ließ Green zu viel Distanz zum Zuschauer, der hinter ihrer Nacktheit mehr Zerbrechlichkeit als Lust vernahm. Später stilisierte sie Robert Rodriguez zu einer schwarz-weiß-roten Noir-Queen in "Sin City 2" (2014), während sie Tim Burton in "Die Insel der besonderen Kinder" (2016) als irrlichternde Waisenhausleiterin in die Groteske einführte.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-06-29 16:25:48
Letzte Änderung am 2018-06-29 16:40:40



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