• vom 21.07.2018, 09:00 Uhr

Film

Update: 23.07.2018, 12:47 Uhr

Vulva

"Von der sexuellen Befreiung der Frau sind wir weit entfernt"




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Von Bettina Figl

  • Regisseurin Gabriele Schweiger spricht über weibliche Schamgefühle, Schönheitsideale und ihren neuen Dokumenatfilm "Viva la Vulva".



Stich von Charles Eisen.

Stich von Charles Eisen. Stich von Charles Eisen.

"Wiener Zeitung": Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über die Vulva zu drehen?

Gabriele Schweiger: Vor einigen Jahren habe ich einen Vortrag eines bekannten Wiener Schönheitschirurgen besucht. Der zeigte Bilder von größeren oder asymmetrischen Schamlippen, und sagte, er verstehe, dass diese Frauen eine OP wollen. Ich habe mir gedacht: "Das schaut ganz normal aus." Und dann sagte er, er würde nie eine Frau operieren, die nicht freiwillig zu ihm kommt. Ich frage mich: Wie frei ist diese Entscheidung?

Was ist neu an dem Trend zur Schamlippenverkleinerung?

Dass Frauen non-stop verunsichert werden, was ihren Körper betrifft, ist nichts Neues. Aber jetzt geht es bis in den intimsten Bereich. Das neue Schönheitsideal der Vulva sieht so aus: Die kleinen Schamlippen sollen nicht rausgucken und tun sie es doch, werden sie weggeschnitten. Die äußeren sollen schön prall und geschlossen sein und sind sie es nicht, werden sie ein bisschen aufgespritzt – bis sie aussehen wie bei kleinen Mädchen. Das finde ich wahnsinnig bedenklich, denn was sagt das aus, wenn das Geschlecht einer erwachsenen Frau aussehen soll wie bei einem Kind? Klar gibt es auch ein paar erwachsene Frauen, die so aussehen, aber das ist nicht die Mehrzahl. Genauso wie jeder Penis unterschiedlich ist – hell, dunkel, dünn, dick, grad, schief – sind auch die Vulven höchst verschieden. Symbolisch bedeutet dieser Trend: die Frau soll beschnitten werden.

Information

Gabriele Schweiger (geb. 1959) ist eine in Wien lebende Filmemacherin.  Zu ihrem filmischen Schaffen zählen die Dokumentarfilme "Die Lust der Frauen" und "Die Lust der Männer" (2010/2012).

Ihr neuer Dokumentarfilm "Viva la Vulva" soll rund um den Frauentag am 8. März 2019 ausgestrahlt werden.

Regie: Gabriele Schweiger, Produktion: Nikolaus Geyrhalter Ein Film in Koproduktion mit ORF und arte
"Mir geht es darum, Frauen mehr Selbstbewusstsein zu geben", sagt die Dokumentarfilmerin Gabriele Schweiger.

"Mir geht es darum, Frauen mehr Selbstbewusstsein zu geben", sagt die Dokumentarfilmerin Gabriele Schweiger.© Gisela Erlacher "Mir geht es darum, Frauen mehr Selbstbewusstsein zu geben", sagt die Dokumentarfilmerin Gabriele Schweiger.© Gisela Erlacher

Sie sehen Parallelen zur Genitalverstümmelung?

Ja. In so vielen Ländern gibt es Beschneidung, und im Westen lassen sich die Frauen freiwillig operieren, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Wenn wir uns das umgekehrt vorstellen - Hodenstraffung, Anpassung von Penissen an eine bestimmte Norm - erkennt man erst, wie grotesk das ist. Aber wir sind das schon so gewohnt, dass man sich in der Regel nicht mehr darüber aufregt.

Inwiefern hat Ihr Film eine politische Message?


Ich nehme ganz klar eine feministische Haltung ein. Das Organ ist der Aufhänger, aber es geht auch sehr stark um Frauenrechte und die gesamte politische Dimension. Dass in der westlichen Welt alle sexuell befreit wären, ist eine Mär. Es gibt immer noch viel Unwissen über die Vulva, viel zu wenig selbstbestimmte weibliche Sexualität. In der Regel weiß man gar nicht, wie diese aussehen könnte.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-16 17:49:06
Letzte Änderung am 2018-07-23 12:47:14


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