Julian Barnes zählt zu den vielseitigsten britischen Schriftstellern. Wiederkehrende Themen sind beispielsweise der Unterschied zwischen Sein und Schein samt Beschäftigung mit eigener Vergangenheit. Als geschönt verdrängte Erinnerungen sowie die Frage nach der eigenen Verantwortung sind auch die Hauptthemen, mit denen sich der 2011 erschienene, mehrfach ausgezeichnete, "The Sense of an Ending" beschäftigt. Mit nur 182 Seiten galt diese verinnerlichte Ich-Erzähler-Geschichte als unverfilmbar.

Trotzdem hat sich der indische Regisseur Ritesh Batra drüber gewagt. Dabei stand ihm eine Schauspiel-Elite zur Verfügung, mit der eigentlich nichts schief gehen konnte: Jim Broadbent, Charlotte Rampling, Harriet Walter, aber auch Emily Mortimer und Michelle Dockery. Doch die Schwäche liegt in der visuellen Umsetzung aus dem Kopf des Lesers. Literarische Qualitäten können sich nur bedingt auf der Leinwand wiederfinden, optische wie erzählerische Bereiche müssen ergänzt werden.

Der im Ruhestand lebende, geschiedene, aber leidlich zufriedene Tony Webster (Broadbent) bekommt einen Brief, der ihn mit seinen Jugenderinnerungen konfrontiert, deren Verkehrung von Freundschaft und Liebe zur Schuld, die er stets beschönigt hatte. Den Spätfolgen entkommt er nicht. Perfekt zelebrierte britische Schauspielkunst macht das Drama zum Vergnügen, die konventionelle Adaption, bei der die Komplexität auf der Strecke bleibt, sollte man übersehen.