• vom 06.08.2018, 18:00 Uhr

Film

Update: 06.08.2018, 18:20 Uhr

Film

"Jeder kann heute einen Film drehen"




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief





Jane Campion versuchte in "In the Cut", ihr Rollen-Klischeebild von der Prinzessin, die auf ihren Prinzen wartet, aufzubrechen. Das hat nicht funktioniert.

Der Film wurde in der Luft zerrissen. Ich war darüber sehr überrascht, denn ich empfand diese Rolle als Befreiungsschlag. Aber da wurde mir klar, wie sehr sich das Rollenbild meiner Figuren in den Köpfen des Publikums festgesetzt hatte. Und ich hatte damals wirklich genug von der Filmwelt. Ich war müde und genervt. Zu Anfang deiner Karriere findest du es noch in Ordnung, wenn alle an dir herumzupfen, dir ständig Haare, Make-up und Kostüm richten und um dich herumwuseln. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du denkst: Lasst mich alle einfach nur mehr in Ruhe! Damals war ich an diesem Punkt.

Sie sind dann von L.A. nach New York gezogen, auch das ein 180-Grad-Dreh.

Ja, ich liebe New York, dort konnte ich besser in der Anonymität leben als in Los Angeles. Es war eine wichtige Entscheidung, ich konnte Mutter sein, hatte einen normalen Alltag. Ich musste nichts mehr über mich in der Zeitung lesen.

Wie belastend kann ein Leben in der Öffentlichkeit sein?

Es hängt davon ab, wie sehr du es an dich heranlässt. Wenn ich jungen Schauspielern einen Ratschlag geben soll, dann diesen: Nimm nichts persönlich und lies keine Kritiken über deine Arbeit. Wenn man bei einem Casting die Rolle nicht bekommt, dann hat das nichts mit der Persönlichkeit zu tun, sondern, dass man wohl nicht der gesuchte Typ für den Part ist. Ich sage das auch immer meinem Sohn Jack (aus der Ehe mit Dennis Quaid, Anm.). Aber er braucht meine Ratschläge eigentlich nicht, denn er ist bereits gut im Filmbereich unterwegs, hat schon mit Scorsese und Soderbergh gedreht.

Ist das Genre, das Sie berühmt gemacht hat, inzwischen überholt? Es gibt kaum noch romantische Komödien, die solche Kassenschlager werden wie Ihre damals.

Das Genre steckt in einer Krise, aber ich bin überzeugt, dass sich diese Krise schnell legen wird. Denn der Liebesfilm verhandelt ja einen integralen Bestandteil des Daseins: das Verliebtsein. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals überholt sein könnte.

Zumindest Kritiker stehen der romantischen Komödie immer skeptisch gegenüber. Was denken Sie, wieso?

Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil es darin kein Drama per se gibt, sondern weil es um die wahre Liebe geht, die ein sehr romantisches Konstrukt ist. Ich bereite gerade meine nächste Regiearbeit mit dem Titel "The Book" vor, das wird eine romantische Komödie sein, die auch unsere Zeit reflektieren wird. Denn das habe ich von Nora Ephron (Regisseurin und Drehbuchautorin der größten Meg-Ryan-Erfolge, Anm.) gelernt: Eine romantische Komödie hat immer eine zweite Ebene, denn sie reflektiert auch die Zeit, in der sie entstand. RomComs sind Momentaufnahmen. "E-Mail für Dich" haben wir 1997 gedreht, als das Internet und die E-Mails noch ganz neu waren. Den Film fünf Jahre später zu drehen, wäre reizlos gewesen.




zurück zu Seite 1 weiterlesen auf Seite 3 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-08-06 16:59:25
Letzte Änderung am 2018-08-06 18:20:12


Loro - Die Verführten

Silvio und die Nutten auf Koks

Silvio (Toni Servillo) beeindruckt seine Gäste stets mit Gesangseinlagen. Sie danken es ihm mit Ergebenheit und Bunga Bunga. - © Filmladen Fast nackte Frauen auf Koks, fast nackte Frauen auf Partys, fast nackte Frauen im Pool, fast nackte Frauen beim Sex, fast nackte Frauen traurig... weiter




Ben is Back

Ein gebrochener Sohn

Filme über die Folgen von Alkohol- oder Drogensucht gibt es jede Menge, ebenso wie wilde Action-Thriller. Meist laufen sie aufs Gleiche hinaus... weiter




Filmstart

Witzloses Klischee-Defilee

Ein Kleinkrimineller muss, um seine Schulden zu begleichen, sozusagen gezwungenermaßen in ein Gutshaus einbrechen... weiter





Werbung



Kommentar

Auch ein Ei kann die Welt retten

Judith Belfkih, stellvertretende Chefredakteurin der "Wiener Zeitung". Zur Spitze hin werden die feinen braunen Flecken auf der beigen Grundierung weniger. Die Spitze selbst ist gänzlich Sprenkel-frei... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Viel Luft nach oben in der Engelsburg
  2. Es war doch alles ganz anders
  3. Florenz ist anders
  4. In der Kraftkammer
  5. Frau Thonhauser aus dem Lavanttal
Meistkommentiert
  1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
  2. Menasse bekommt trotz Kritik Zuckmayer-Medaille
  3. Roman unter Wahrheitspflicht
  4. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  5. Led Zeppelin: Als das Luftschiff fliegen lernte

DVD & Bluray

The 100, Staffel 4

- © Warner Weil die Atomreaktoren auf der Erde schmelzen und bald ein Inferno auslösen werden, fragen sich die Überlebenden, wofür sie angesichts des nahenden... weiter




DVD & Bluray

Berlin Falling

- © Warner Der Ex-Elitesoldat Frank kann seine Kriegserlebnisse nicht abschütteln und dröhnt sich zwecks Vergangenheitsbewältigung mit Alkohol zu... weiter





Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913

Quiz




Werbung