Jane Campion versuchte in "In the Cut", ihr Rollen-Klischeebild von der Prinzessin, die auf ihren Prinzen wartet, aufzubrechen. Das hat nicht funktioniert.

Der Film wurde in der Luft zerrissen. Ich war darüber sehr überrascht, denn ich empfand diese Rolle als Befreiungsschlag. Aber da wurde mir klar, wie sehr sich das Rollenbild meiner Figuren in den Köpfen des Publikums festgesetzt hatte. Und ich hatte damals wirklich genug von der Filmwelt. Ich war müde und genervt. Zu Anfang deiner Karriere findest du es noch in Ordnung, wenn alle an dir herumzupfen, dir ständig Haare, Make-up und Kostüm richten und um dich herumwuseln. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du denkst: Lasst mich alle einfach nur mehr in Ruhe! Damals war ich an diesem Punkt.

Sie sind dann von L.A. nach New York gezogen, auch das ein 180-Grad-Dreh.

Ja, ich liebe New York, dort konnte ich besser in der Anonymität leben als in Los Angeles. Es war eine wichtige Entscheidung, ich konnte Mutter sein, hatte einen normalen Alltag. Ich musste nichts mehr über mich in der Zeitung lesen.

Wie belastend kann ein Leben in der Öffentlichkeit sein?

Es hängt davon ab, wie sehr du es an dich heranlässt. Wenn ich jungen Schauspielern einen Ratschlag geben soll, dann diesen: Nimm nichts persönlich und lies keine Kritiken über deine Arbeit. Wenn man bei einem Casting die Rolle nicht bekommt, dann hat das nichts mit der Persönlichkeit zu tun, sondern, dass man wohl nicht der gesuchte Typ für den Part ist. Ich sage das auch immer meinem Sohn Jack (aus der Ehe mit Dennis Quaid, Anm.). Aber er braucht meine Ratschläge eigentlich nicht, denn er ist bereits gut im Filmbereich unterwegs, hat schon mit Scorsese und Soderbergh gedreht.

Ist das Genre, das Sie berühmt gemacht hat, inzwischen überholt? Es gibt kaum noch romantische Komödien, die solche Kassenschlager werden wie Ihre damals.

Das Genre steckt in einer Krise, aber ich bin überzeugt, dass sich diese Krise schnell legen wird. Denn der Liebesfilm verhandelt ja einen integralen Bestandteil des Daseins: das Verliebtsein. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals überholt sein könnte.

Zumindest Kritiker stehen der romantischen Komödie immer skeptisch gegenüber. Was denken Sie, wieso?

Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil es darin kein Drama per se gibt, sondern weil es um die wahre Liebe geht, die ein sehr romantisches Konstrukt ist. Ich bereite gerade meine nächste Regiearbeit mit dem Titel "The Book" vor, das wird eine romantische Komödie sein, die auch unsere Zeit reflektieren wird. Denn das habe ich von Nora Ephron (Regisseurin und Drehbuchautorin der größten Meg-Ryan-Erfolge, Anm.) gelernt: Eine romantische Komödie hat immer eine zweite Ebene, denn sie reflektiert auch die Zeit, in der sie entstand. RomComs sind Momentaufnahmen. "E-Mail für Dich" haben wir 1997 gedreht, als das Internet und die E-Mails noch ganz neu waren. Den Film fünf Jahre später zu drehen, wäre reizlos gewesen.