• vom 08.08.2018, 09:30 Uhr

Film

Update: 08.08.2018, 09:53 Uhr

Interview

"Ein harter Hund"




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Von Luitgard Koch

  • Sebastian Bezzel über seine Paraderolle, seine Hochzeit in Mallorca und den Unterschied zwischen Patriot und Nationalist.



Sebastian Bezzel schätzt den schwarzen Humor der Österreicher.

Sebastian Bezzel schätzt den schwarzen Humor der Österreicher.© G. Schober Sebastian Bezzel schätzt den schwarzen Humor der Österreicher.© G. Schober

Am Eberhofer Franz, dem bayerischen Kultkieberer aus den wunderbar schrägen Verfilmungen der Provinz-Krimis von Bestsellerautorin Rita Falk, kommt keiner vorbei. Sebastian Bezzel hat mit dem stoischen Ermittler-Original aus dem fiktiven niederbayerischen Niederkaltenkirchen seine Paraderolle gefunden. Auch im fünften Heimatkrimi "Sauerkrautkoma" ist der gebürtige Garmisch-Partenkirchner, der mit seiner Frau und den zwei Kindern in Hamburg lebt, als lässig grantelnder Dorfsheriff wieder unwiderstehlich. Die "Wiener Zeitung" traf den Schauspieler beim Weißbier im bayerischen Traditionswirtshaus "Frauenhofer".

"Wiener Zeitung": In Österreich wird Franz Eberhofer schon als bayerischer James Bond gehandelt. Was sagen Sie dazu?

Information

Sauerkrautkoma
von Ed Herzog
Kinopremiere: 9. August,
Village Cinemas, Wien-Landstraße, Gäste: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz

Sebastian Bezzel: Ich freue mich über das Kompliment. Aber eigentlich hinkt der Vergleich etwas, denn der Eberhofer ist kein Geheimdienstler und kein Polizist, der ist ein Sheriff. Wenn, dann müssten wir hier irgendeinen Westernhelden als Pendant finden.

Wie das Western-Idol John Wayne?

Nein, den bestimmt nicht. Der war ein brachialer Rassist, eine Ikone der Fremdenfeindlichkeit. Die Gleichstellung der Afro-Amerikaner lehnte er ab. Eher schon wie Clint Eastwood in "Eine Handvoll Dollar" unter der Regie Sergio Leones. Ein harter Hund.

Bei jedem Film sind österreichische Schauspieler mit von der Partie, etwa Simon Schwarz als Rudi Birkenberger, Eberhofers Ex-Kollege. Wie versteht sich die bayerisch-österreichische Schauspielriege?

Ich freue mich immer, wenn die Österreicher am Set sind. Die haben einfach einen Sinn für guten, schwarzen Humor, für das Abseitige und das Schräge. Das tut der Sache total gut und verbessert die Stimmung noch mehr. Und der Simon ist wirklich ein echter Freund.

Gaudihalber haben Sie mal behauptet: "Im nächsten Teil heirate ich den Rudi Birkenberger."

Ja, da hat gerade unsere Regierung die Homo-Ehe durchgewunken. Deshalb hab ich mir den Gag erlaubt. Der Birkenberger und der Eberhofer sind längst wie ein altes Ehepaar. Die werden sicher bis ans Ende ihres Lebens zusammenbleiben. Wer rettet den Eberhofer jedes Mal? Immer der Birkenberger. Eigentlich ist er der Superheld.

Brennend interessieren sich die Fans freilich dafür, ob Eberhofer seine Freundin Susi zum Altar führt. Der vermasselt aber seine Heiratsanträge immer wieder. Wie war das bei Ihnen?

Ich glaube, dass der Eberhofer eine Art Selbstzerstörungsknopf hat, den er ständig mit sich herumträgt. Und auf den drückt er dann. Meine Frau und ich, da gab’s in dem Sinn nie einen Heiratsantrag. Wir sind über eine ernsthafte Diskussion, wie unsere gemeinsame Zukunft aussieht, zusammengekommen. Das mag jetzt vielleicht für manche etwas eigenartig klingen. Aber ich habe ihr gesagt: Du bist der Mensch, dem ich so sehr vertraue, dass ich mir vorstellen kann, wenn es einmal so weit ist, dem Arzt zu sagen: "Mach die Maschine aus, es hat keinen Sinn mehr." Und außerdem haben wir über Kinder gesprochen. Und für mich war klar, dass ich mir vorstellen konnte, mit ihr zusammen Kinder zu guten Menschen zu erziehen. Und während dieses Gesprächs haben wir dann überlegt, ob wir zum Notar gehen, um diese Dinge zu regeln. Dabei haben wir festgestellt, eigentlich könnten wir auch heiraten. Wenn wir heiraten, gehört ein tolles Fest dazu und wir wollten schon immer mal auf Mallorca feiern, also warum nicht unsere Hochzeit. Und schon waren wir mitten in den Hochzeitsvorbereitungen ganz ohne förmlichen Heiratsantrag.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-07 16:23:32
Letzte Änderung am 2018-08-08 09:53:40


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