• vom 10.08.2018, 07:30 Uhr

Film

Update: 10.08.2018, 07:42 Uhr

Locarno

"Man darf sich nicht zu wichtig nehmen"




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Von Matthias Greuling

  • Ethan Hawke gibt gerne Lebenshilfe, denn der 47-jährige Schauspieler ist mit seinem Ego ziemlich im Reinen.



Ethan Hawke: "Es ist seltsam, 47 zu sein und seit 30 Jahren Filme zu drehen."

Ethan Hawke: "Es ist seltsam, 47 zu sein und seit 30 Jahren Filme zu drehen."© Locarno Festival/M. Pedrazzini Ethan Hawke: "Es ist seltsam, 47 zu sein und seit 30 Jahren Filme zu drehen."© Locarno Festival/M. Pedrazzini

Locarno. Ethan Hawke ist freundlich und überlegt genau, bevor er antwortet. Er wirkt entspannt und ist mit sich im Reinen - das war nicht immer so: Denn der Schauspieler, der mit Filmen wie "Before Sunrise", "Training Day", "Gattaca", "Boyhood" und zuletzt Paul Schraders famosem Priesterdrama "First Reformed" eine weite Palette an Figuren gespielt hat, die sein darstellerisches Können abbilden, hatte auch viele Lebenskrisen, die er stets mit Arbeit verdrängt hat, wie er im Interview gesteht. Dass man ihm beim Filmfestival in Locarno nun einen Lebenswerk-Preis überreichte, mag angesichts seiner jungen Jahre befremdlich wirken. Jedoch: Hawke ist tatsächlich ein "alter Hase" in einem Geschäft, das sich derzeit wie kein anderes verändert.

"Wiener Zeitung": Kommt eine Auszeichnung fürs Lebenswerk nicht etwas früh?

Ethan Hawke: Das Witzige ist ja: Ich liebe meine Arbeit so sehr, dass ich überhaupt gar nicht verstehen kann, einen Preis dafür zu erhalten. Sie ist integraler Bestandteil von mir. Das ist, als würde man mich auszeichnen, weil ich eine Nase im Gesicht habe. Mein Freund Richard Linklater sagt, solche Preise sind eine Art Bestätigung für deine bisherige Leistung, ein Check-up in der Mitte deiner Karriere. Danach beginnen dich alle zu hassen, und dann kommt es darauf an, dass du lange genug überlebst, bis du zum nächsten Punkt deiner Karriere gelangst: Dann laden sie dich ein, Jury-Präsident des Festivals zu sein (lacht). Aber ich muss sagen: Es ist schon seltsam, 47 zu sein und bereits seit 30 Jahren Filme zu machen.

Haben Sie Ihre Midlife-Crisis schon hinter sich?

Alle haben irgendwann eine Midlife-Crisis. Manche fangen an, Drogen zu nehmen oder zu trinken. Ich habe meine Lebenskrisen immer in Filme verwandelt. Viele Menschen wollen im Leben immer noch mehr erreichen, es gibt diesen einen großen Berg, auf den sie klettern wollen, um von dort mit einer Blume zurückzukehren, die noch niemand zuvor gefunden hat. Aber das ist ein Irrglaube - mit so einem Antrieb wird man nicht glücklich. Die Herausforderung im Leben muss man nicht krampfhaft suchen, sie wurde einem schon mit in die Wiege gelegt. Um das zu erkennen, musste ich erst einmal mich selbst akzeptieren, so wie ich bin. Seither meistere ich jede Krise.

Und davor?

Früher dachte ich, jedes Problem ließe sich mit Arbeit lösen. Ich habe einfach noch mehr gearbeitet, bis die Probleme außer Sichtweite waren. Das war in der Zeit, als meine erste Ehe (mit Uma Thurman, Anm.) scheiterte. Das war eine der bittersten Erfahrungen meines Lebens. Damals stürzte ich mich als Reaktion in die Theaterarbeit. Sie hat für Schauspieler eine seltsame Heilungskraft, weil man dort extrem hart arbeiten kann und mit seinen inneren Widerständen konfrontiert wird.






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Schlagwörter

Locarno, Interview, Ethan Hawke

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-09 16:50:31
Letzte Änderung am 2018-08-10 07:42:44


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