• vom 10.08.2018, 15:35 Uhr

Film


Antoine Fuqua

"Action ist nicht alles"




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Von Matthias Greuling

  • Regisseur Antoine Fuqua über seinen Actionfilm "The Equalizer 2" und den harten Konkurrenzkampf in Hollywood.

Antoine Fuqua steht auf Filmklassiker wie "Der Pate" oder "Apokalypse Now". - © Katharina Sartena

Antoine Fuqua steht auf Filmklassiker wie "Der Pate" oder "Apokalypse Now". © Katharina Sartena

Denzel Washington als Agent Robert McCall.

Denzel Washington als Agent Robert McCall.© Sony Pictures Denzel Washington als Agent Robert McCall.© Sony Pictures

Locarno. Seit Antoine Fuqua 2001 den Film "Training Day" inszeniert hat, für den Denzel Washington einen Hauptrollen-Oscar gewann, sind die beiden Männer unzertrennlich. Mit "The Equalizer 2" (ab Freitag im Kino) startet nun die vierte Zusammenarbeit des Duos in den Kinos. Im Gespräch beim Filmfestival in Locarno verrät der 1965 geborene US-Regisseur, was die Zusammenarbeit mit Washington ausmacht und warum ihm Actionfilme aus der guten, alten Zeit besser gefallen als moderne Spektakel aus Hollywood.

"Wiener Zeitung": Worin besteht die Magie zwischen Ihnen und Denzel Washington?


Antoine Fuqua: Wir vertrauen und verstehen einander. Schon bei "Training Day" haben wir eine Vereinbarung getroffen: Wir wollen uns gegenseitig nie die Hände binden, sondern frei bleiben in der Zusammenarbeit. Wir arbeiten stark im Moment, halten uns offen, die geplanten Pfade auch mal zu verlassen. Ich glaube, darin liegt die Magie, von der Sie sprachen.

Für Washington ist "The Equalizer 2" das erste Sequel. Beschreiben Sie die Figur, die er spielt.

Robert McCall gibt seinen Gegnern die Chance, es richtig zu machen. Und wenn sie nicht hören, dann folgt Gewalt. Er ist eine Figur voller moralischer Konflikte, die sehr komplex sind.

In welchem Zustand befindet sich das Action-Genre heute? Was hat sich über die Jahre verändert?

Ich bin ein Fan der älteren Actionfilme. Manche davon würde man nicht einmal Actionfilme nennen. Zum Beispiel "Scarface", da wurde viel geschossen. Aber war das ein Actionfilm? Oder "Saving Private Ryan", oder "Apokalypse Now", oder "Der Pate". Würden Sie den "Paten" als Actionfilm bezeichnen? Aber weil darin Gewalt vorkommt, kann man Actionfilm dazu sagen. Zugleich haben all diese Filme großartige Figuren, mit denen man mitgeht, ganz im Gegensatz zu neueren Actionmovies, in denen alle 15 Sekunden irgendwas in die Luft fliegt. Das hat sich leider in diese Richtung verschoben: Heute braucht es Action am laufenden Band, weil die Zuschauer angeblich keine Geduld mehr haben und sich nicht mehr für die Figuren interessieren. Hauptsache, es wird gemordet.

Das ist wohl die Sicht der Studiobosse.

Ja, ich denke schon, denn genau solche Filme werden ja produziert. Und dann kommt dazu, dass heute fast alles nur mehr vor Green-Screens gedreht wird, in denen später die computergenerierten Effekte eingepasst werden. Nichts ist mehr real, alles wird erst am Computer gemacht. Aber Action ist nicht alles. Ich glaube schon, dass die Zuschauer sich für Figurenzeichnung interessieren. Deshalb mag ich bodenständige Actionfilme. Solche, in denen man sich mit dem Helden identifizieren kann. In denen jeder sagen kann: Wäre ich so trainiert wie Robert McCall, dann könnte auch ich diese Action machen. Natürlich sind die Superheldenmovies witzig, aber wir brauchen auch wieder eine Balance im Actiongenre. Die Zuschauer haben das Recht, auch mal was anderes zu sehen. Sonst werden sie irgendwann nicht mehr kommen, wenn man ihnen immer das Gleiche serviert.

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