Spike Lee erzählt genau diese wahre Geschichte in seinem neuen Film "BlacKkKlansman" (ab Donnerstag im Kino), für den er heuer beim Festival von Cannes den Großen Preis erhielt und der seither eifrig diskutiert wird. So launig wie die Originalgeschichte klingt, bereitet sie Lee auch in seinem Drama auf und verarbeitet unzählige rassistische Klischees - und Wahrheiten - dieser Welt. Denzel Washingtons Sohn John David Washington spielt Stallworth, sein weißes Alter Ego, Kollege Flip (Adam Driver), ist ausgerechnet Jude, also noch so jemand, der auf der schwarzen Liste des Klans steht.

Jüngste Rassenunruhen

Die verdeckte Ermittlung geht eine Zeit lang gut und gebiert erstaunlich leichtfüßig viele komische, aber umso treffendere Szenerien entlang der Geschmacklosigkeiten des Alltagsrassismus in den USA. Spike Lee greift auch direkt die Slogans der Trump-Bewegung auf und kontrastiert sie mit den realen TV-Bildern der jüngsten Rassenunruhen. Es ist kein Zufall, dass der Film gerade jetzt in den USA und weltweit in die Kinos kommt, rund um den ersten Jahrestag der Unruhen in Charlottesville, bei denen Heather Heyer starb, eine Demonstrantin, die von einem Auto erfasst wurde, das in eine Gruppe steuerte, die gerade gegen weißen Nationalismus protestierte. Spike Lee hat Heather Heyer seinen Film gewidmet. Die mitgefilmte Szene, in der Heyer zu Tode kommt, hat Lee in den Film aufgenommen, nachdem die Mutter der Toten ihre Zustimmung gegeben hatte. "Diese Szene zeigt einen Mord", erregte sich Lee in Cannes vor der Presse. "Diese Geschichte führt ein wirklich abstoßendes Bild der Vereinigten Staaten vor."

Aufgeladenes Spannungsfeld

"BlacKkKlansman" passt gerade perfekt zum politischen Klima in den USA und der Welt; er zeigt, wie die Mechanismen des Rassismus funktionieren und wie tief sie in großen Teilen der Bevölkerung verankert sind. Die Präsidentschaft Donald Trumps passt zum aufgeladenen Spannungsfeld zwischen den Ethnien und bereitet den Nährboden für Befürworter wie Gegner des Films. Spike Lee sieht sich (nicht erst jetzt) mit offenem Rassismus konfrontiert, auch und vor allem in den sozialen Medien. Trump heizt das politische Klima an, daraus entstehen aber auch Gegenbewegungen, und die helfen Filmen wie "BlacKkKlansman" enorm. Der Film stieg auf Platz 5 der US-Kinocharts ein, für Spike Lee ein großer Erfolg. Bislang brachte der Film 15 Millionen Dollar ein und sorgt für volle Säle, was der gute Kopienschnitt von 7500 Dollar für jeden der 1500 Säle zeigt. Seit "Inside Man" von 2006 hatte Spike Lee nicht mehr solchen Erfolg.

"BlacKkKlansman" ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark die Rezeption eines Kinofilms vom herrschenden sozialen oder politischen Umfeld abhängig ist. Vor zehn Jahren, als mit Barack Obama ein Hoffnungsträger ins Weiße Haus einzog, hätte dieser Film bei weitem nicht die dramatische Wirkung als Warnung gehabt wie unter Präsident Trump. Aber jetzt reden alle darüber. Kunst zur richtigen Zeit, könnte man meinen.

Dabei ist Rassismus kein neues Thema in den USA. "Die schwarze Bevölkerung hat immer schon beklagt, wie schlecht sie behandelt wird, ganz besonders von der Polizei", sagt Ron Stallworth. "Nur sind diese Übergriffe heute dank der Medien viel sichtbarer: Fast jede Woche taucht ein Video auf, in der Schwarze von Cops misshandelt oder schikaniert werden." Diese Bewusstmachung hat Folgen: Seit dem Tag, an dem Donald Trump ins Amt kam, hat sich die Zahl der Amerikaner, die denken, Rassismus sei eines der wesentlichsten Probleme in den USA, von 44 auf 78 Prozent sprunghaft erhöht. Im ganzen Land finden Protestmärsche statt, auch das thematisiert Lee. Und so kommt "BlacKkKlansman" zu einer Zeit daher, in der man als Künstler kein Prophet mehr sein muss für Dinge, die irgendwann einmal passieren könnten. Es ist kein Mahner mehr, kein Ermahner. Sondern bloß einer, der Probleme bewusst macht, der abbildet, was er vorfindet. Anders würde man auch nicht auf solche Ideen kommen, entstammten sie nicht dieser verrückten amerikanischen Wirklichkeit.