London. "Wie buchstabiert man ,Liebe‘, Pooh?", fragt Ferkel seinen berühmten Kameraden bei einem ihrer zahlreichen Abenteuer. Dieser antwortet: "Man buchstabiert sie nicht. Man fühlt sie." Liebe ist es auch, was zahlreiche Generationen an Kindern nicht erst seit der Übernahme durch Disney für den Bären "von sehr geringem Verstand" und seine Freunde empfinden. Nun will die Mausfabrik mit dem Film "Christopher Robin" eine neue Generation von jungen Kinogehern an das tierische Ensemble heranführen. Der ganz passabel gewordene Film sollte auch kein Problem haben, neue Fans zu gewinnen.

Die fiktive Geschichte des erwachsenen Christopher Robin, der durch das Wiedersehen mit Pooh erneut lernt, was es bedeutet, Spaß im Leben zu haben und Fürsorge zu zeigen, gab es schon in ähnlicher Form in den Filmen "Hook" und "Mary Poppins". Aber ähnlich wie bei den tragischen Lebensläufen der Llewelyn-Davies-Brüder, die Pate standen für die Figur des Peter Pan, oder der Ablehnung der Autorin P. L. Travers gegenüber Disneys Mary-Poppins-Verfilmung, ist auch die reale Lebensgeschichte der Schöpfer von Pooh von Tragik gezeichnet. Der englische Autor A. A. Milne und sein Sohn, der namengebende Christopher Robin, litten zeit ihres Lebens unter dem Ruhm der Bücher, was letztendlich auch das Verhältnis der beiden zerstörte.

Ist dem Disney-Film daher ein gewisser Zynismus vorzuwerfen, wenn er Christopher Robin vermitteln will, dass er sich fälschlicherweise von seinen Kindheitsfreunden abgewandt hat? Milne hasste das Rampenlicht, das er ertragen musste. Er bezeichnete die Bücher als eine "Zehennägel hochrollende, Fäuste ballende, Zähne knirschende Peinlichkeit". Seinem Vater warf er vor, seine Kindheit ausgenutzt zu haben. "Es scheint mir so, als hätte mein Vater all das erreicht, indem er auf meine Säuglingsschultern geklettert war, mir meinen guten Namen geklaut hatte und mich mit nichts zurückgelassen hatte, außer dem leeren Ruhm, sein Sohn zu sein."

A.A. Milne war wohl selber überrascht, mit welcher Begeisterung sich die Leser mit seiner Familie auseinandersetzten. Seine Rolle als Autor wurde zudem durch die Popularität Christopher Robins überschattet. Über einen Pressetermin in den USA schrieb er später: "Sie können sich meine Verblüffung vorstellen, als ich feststellen musste, dass ich auf die hinteren Plätze verwiesen worden war und der Held nicht, wie ich bescheidenerweise erwartet hatte, der Autor war, sondern ein sonderbar benanntes Kind."