Sie haben selbst eine 18-jährige Tochter. Welchen Rat würden Sie jungen Mädchen geben?

Wenn junge Frauen mich fragen, wie sie ihr Leben gestalten sollen, ist das Erste, was ich ihnen sage: Es ist sehr wichtig, dass du dein eigenes Geld verdienst, damit du nie abhängig bist von einem Mann. Wenn du deine Freiheit willst, dann ist das die erste Voraussetzung. Denn du kannst sonst nicht überleben und auch kein Künstler sein. Die Schriftstellerin Virginia Woolf beschreibt das in ihrem Buch "Ein Zimmer für mich allein" sehr eindrücklich.

Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste für Frauen?

Sicherheit ist der Schlüssel zu allem. Denn ohne sie können wir uns nicht entspannen. Unter solchen Bedingungen ist es schwierig, zu arbeiten, egal ob künstlerisch oder irgendetwas anderes. Und die meiste Zeit fühlen sich Frauen nicht sicher. Es ist unglaublich, wie viel Energie ich als junge Frau aufbringen musste, um mich vor Übergriffen zu schützen. Ob allein in der U-Bahn oder nachts beim Nachhauseweg und speziell am Arbeitsplatz. Vor allem Frauen, die in Dienstleistungsberufen arbeiten, etwa Zimmermädchen in Hotels, erleben da einiges. Manche männliche Hotelgäste glauben, dass die Frauen im Zimmerpreis inbegriffen sind.

Wie können sich Frauen diesen sicheren Raum schaffen?

Frau muss Teil einer Bewegung sein. Man kann es nicht allein machen. Wir müssen Unterstützer finden, egal ob Frauen oder Männer. Wir müssen einander helfen, zusammenkommen, darüber sprechen.

Sie haben auf dem Münchner Filmfest den Festival-Ehrenpreis CineMerit Award für ihr Lebenswerk erhalten. Gibt es im Rückblick einen Lieblingsfilm?

Mein allerliebster Film ist "Eine zauberhafte Nanny". Denn da durfte ich dieses absurde Make-up tragen. Es war eine tolle Erfahrung. Ich mag die Rolle einfach und bewundere, wofür die Figur steht. Außerdem liebe ich es, mit Kindern zu arbeiten. Von Kindern habe ich gelernt, im Moment zu leben, präsent zu sein. Sie sind so natürlich und so viel besser als wir erwachsene Schauspieler, sie folgen ihrem Instinkt.

Wie werden Sie Ihre Rollen am Abend wieder los?

Manchmal ist es hart, manche habe ich gerne wieder abgelegt, manche nicht. Die Malerin "Carrington" zum Beispiel habe ich wirklich vermisst. Pamela "P. L." Travers, die "Mary Poppins"-Autorin in "Saving Mr. Banks", konnte ich dagegen gar nicht schnell genug wieder loswerden.

Was hat sich für Sie geändert, seit die britische Königin Sie in den Adelsstand erhob und zur "Dame" ernannte?

Zuhause wurde ein Thron für mich aufgebaut. (lacht) Und endlich erweisen mir mein Mann und meine Kinder den nötigen Respekt, der mir gebührt. Mein Mann verbeugt sich sogar vor mir und macht einen Diener.