• vom 27.08.2018, 15:25 Uhr

Film

Update: 28.08.2018, 12:53 Uhr

Film

Schön, jung - und asiatisch




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Wolfgang Liu Kuhn

  • "Crazy Rich Asians" gilt als Eisbrecher für Filme mit asiatischen Darstellern, Regisseuren und Drehbuchautoren.
  • In Österreich läuft der Film, der die US-Charts seit zwei Wochen anführt, de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In dieser asiatischen Luxus-Parallelwelt sind nicht nur die Overalls aus Gold. - © Warner

In dieser asiatischen Luxus-Parallelwelt sind nicht nur die Overalls aus Gold. © Warner

2018 wird als das Jahr in die Filmgeschichte eingehen, in dem Hollywood die Diversität entdeckt hat. Nachdem im Frühjahr mit "Black Panther" der erste schwarze Superheld das Blockbuster-Geschäft aufgemischt hat, verteilen nun "Crazy Rich Asians" die Karten neu. Denn die romantische Komödie ist im gewissen Sinne der Schwarze Panther für die asiatische Community: Hier sind Asiaten nicht in unbedankten Nebenrollen oder als netter Aufputz zu sehen, sondern stehen zentral im Mittelpunkt - als Hauptdarsteller, Drehbuchautoren, im Regiesessel. Und wie bei "Black Panther" hat der Erfolg die Erwartungen bei Weitem übertroffen: Als Spitzenreiter an den nordamerikanischen Kinokassen nahm "Crazy Rich Asians" in fünf Tagen knapp 39 Millionen Dollar ein und machte damit auf Anhieb die Produktionskosten von 30 Millionen Dollar wett.

Kein Wunder daher, dass eine Fortsetzung bereits beschlossene Sache ist - obwohl der Film in vielen Teilen der Welt noch gar nicht angelaufen ist. Doch schließlich waren auch die Kritiken überwiegend wohlwollend, selbst wenn die Story alles andere als revolutionär ist. Erzählt wird eine klassische Aschenputtel-Geschichte im asiatischen Jet-Set Styling: Die New Yorkerin Rachel Chu (gespielt von Constance Wu) ist eine ABC, also eine "American-born-Chinese", gut-aussehend, eloquent, gebildet. Sie verliebt sich in den charmanten Nick Young (Henry Golding), von dem sie im Prinzip nicht viel weiß. Vor allem nicht, dass er einer der reichsten Familien Asiens entstammt, die mehr Geld auf dem Bankkonto hat als die meisten europäischen Nationen. Als Nick beschließt, Rachel seine Heimat Singapur zu zeigen, läuft einiges schief: Einerseits ist die Amerikanerin vom immensen Reichtum ihres Freundes überfordert, andererseits ist Nicks Mutter (Michelle Yeoh) von der Flamme ihres einzigen Sohnes alles andere als angetan. In ihren Augen ist Rachel nicht gut genug und passt schlichtweg nicht zur Familie.


Hochkarätige Sommerparty
Natürlich enden die Irrungen und Wirrungen in einem Happy End. Dabei gelingt Regisseur Jon Chu ("Die Unfassbaren 2") das Kunststück, seinen Film weder allzu seicht zu inszenieren noch unter dem Druck der Erwartungen zu zerbrechen. Vielmehr erzählt er die Geschichte mit leicht-beschwingtem Ton im Stile einer Sommerparty mit einer hochkarätigen Gästeliste. Das ist insofern bemerkenswert, da der Druck im Vorfeld enorm war, schließlich war schon die Romanvorlage von Kevin Kwan ein Welterfolg, der in 20 Sprachen übersetzt wurde. Kwan, der selbst aus Singapur stammt, beschreibt in seiner Novelle eine Welt, die diskret im Verborgenen ihre Netzwerke spinnt und dabei so geheimnisvoll vorgeht, dass nicht einmal Google Earth ihre Wohnsitze erfasst. Und doch gibt es diese Parallel-Gesellschaft, von der Kwan selbst meint, er hätte sich in ihrer Beschreibung sogar zurückgehalten, um seine US-Leserschaft nicht zu überfordern.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-27 15:35:50
Letzte Änderung am 2018-08-28 12:53:49


Filmkritik

Wurzeln, wo man Platz findet

Jeder in der Region hat zum geplanten Maschendrahtzaun eine Meinung. - © Filmladen Ein Maschendrahtzaun von mehreren hundert Metern. Zusammengerollt gelagert in einem Container am Brenner. Er wurde eigens angefertigt... weiter




Komödie

Kot-Witze und Morgan Freeman

Blöd in Pailletten: Kate McKinnon und Mila Kunis. - © Constantin Audrey (Mila Kunis) wird von ihrem Freund verlassen, der sich rückwirkend als Spion entpuppt. Für ihn muss sie eine Trophäe nach "Europa" bringen... weiter




BlacKkKlansman

Im Inneren des Ku-Klux-Klans

Flip (Adam Driver, l.) und Ron (John David Washington). - © Universal Ende der 70er Jahre ist Ron Stallworth (John David Washington) der erste schwarze Cop in Colorado Springs. Als solcher setzt er sich in den Kopf... weiter





Werbung



Kommentar

Fernsehen mit lustigen Frauen

"Frauen ist es vorbestimmt, dass sie Mütter werden. Das ist wegen den Titten. Die Ausrüstung ist vorinstalliert." Das ist einer der Schmähs von Miriam... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Vorarlberger im Finale von "America's Got Talent"
  2. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  3. Stehen, singen, sterben
  4. Die Liebe als verzweifelter Imperativ
  5. Fifty Shades of Crash
Meistkommentiert
  1. Wieder Wirbel um Ministeriums-"Journalistin"
  2. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  3. "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer will "Gas geben"
  4. Drama um Daniel Küblböck
  5. Punkt! .

DVD & Bluray

The 100, Staffel 4

- © Warner Weil die Atomreaktoren auf der Erde schmelzen und bald ein Inferno auslösen werden, fragen sich die Überlebenden, wofür sie angesichts des nahenden... weiter




DVD & Bluray

Berlin Falling

- © Warner Der Ex-Elitesoldat Frank kann seine Kriegserlebnisse nicht abschütteln und dröhnt sich zwecks Vergangenheitsbewältigung mit Alkohol zu... weiter





Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.

Quiz




Werbung