Monet im Privatjet

Hier regiert altes Geld, von Generation zu Generation weiter vererbt und in so unfassbare Höhen vermehrt, dass seine Besitzer längst die Übersicht über ihren Reichtum verloren haben. Mit der Gesellschaft, die außerhalb ihrer Paläste lebt, geben sie sich nicht ab, sie sind ihr entrückt. Warum sollten sie die teuersten Restaurants der Welt besuchen? Ihre Privatköche sind besser als die angesagtesten Küchenchefs. Warum sollten sie Museen besuchen? Die Monets und Manets hängen längst in ihren Privatjets. Warum sollten sie Urlaub im Luxushotel machen? Wenn die Leibdienerin im Badezimmer die Kerzen strategisch so geschickt verteilt, dass man vom eigenen Spiegelbild bewundert wird, verliert die Außenwelt an Reiz. Und dann gibt es da noch diesen Butler, der während des Essens das iPad so hält, dass der achtjährige Sohn den Bildschirm stets gut im Blick behalten kann.

"‚Crazy Rich Asians‘ ist genau so wie Hongkong in den 1980er Jahren, als die Stadt am Zenit ihres wirtschaftlichen Erfolges stand. Gegen die Galas und Partys, die ich damals erlebt habe, wirken selbst die glamourösesten Hollywood-Events wie Dorfveranstaltungen", erzählt Michelle Yeoh, die im Film Nicks Mutter Eleanor Young spielt. Die Darstellerin aus Malaysia ist durch ihre Auftritte in "Tiger and Dragon" und "James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie" auch im Westen kein unbeschriebenes Blatt. Als strenge Matriarchin drückt sie "Crazy Rich Asians" einen dominanten Stempel auf, vermeidet es jedoch, ihre Figur wie einen Bösewicht wirken zu lassen.

Geheimnisvolle Luxuswelt

Diese Qualität zeichnet im Übrigen sowohl den Film als auch den Roman aus, hier weist kein moralischer Zeigefinger auf den verschwenderischen Reichtum hin, keine europäische Geschichtsmelancholie untergräbt den leichten Ton der Erzählung. Und doch streift sie mit heiterer Gelassenheit Fragen von globalem Gewicht: Was sind das für Spinner, die mit ihrem Reichtum und Einfluss in der Lage sind, die Welt zu beherrschen? Und wie wenig weiß der Westen von dieser vermeintlich geheimnisvollen Luxuswelt, die das Bruttoinlandsprodukt seiner Staaten locker in die Tasche steckt?

In Österreich scheinen die Superreichen Asiens jedenfalls auf Desinteresse zu stoßen; gerade ein Kino (Cineplexx Donauplex) in Wien zeigt den Streifen - auffällig für einen Blockbuster, der im Rest der Welt veritable Erfolge feiert. Zudem leben nicht weniger als 100.000 in Asien geborene Menschen in Österreich, dazu kommt die zweite und dritte Generation. Im Bezirk Los Angeles hingegen machen Asiaten gar 15 Prozent der Gesamtbevölkerung aus - und dennoch hat es 25 Jahre gedauert, bis sich Hollywood nach "The Joy Luck Club" für einen Film mit rein asiatischer Besetzung entschieden hat. Dabei gäbe es ausreichend fernöstliche Geschichten und Charaktere, die von der Traumfabrik bislang meist "verwestlicht" wurden. Der Kult-Horrorschocker "The Grudge" aus Japan wurde mit Sarah Michelle Gellar neu verfilmt, Tilda Swinton sprang in "Doctor Strange" für eine tibetische Figur ein, Scarlett Johansson musste in der Manga-Verfilmung "Ghost in the Shell" über Computer-Animation sogar "asiatischer" gemacht werden.

Der Erfolg von "Crazy Rich Asians" soll nun als Türöffner für mehr Inklusion und Authentizität dienen. Dabei geht der Streifen einigen sogar nicht weit genug. Speziell Kinofreunde in China kritisieren, dass die Liebesromanze in Wahrheit eine amerikanische Geschichte und die Hauptdarstellerin eben "nur" eine ABC sei. Dabei hat "Crazy Rich Asians" in China noch nicht einmal einen Starttermin.