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Update: 01.09.2018, 11:58 Uhr

Filmfestival Venedig

Lady Gaga, ungeschminkt




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Von Matthias Greuling

  • Lady Gaga spielt in Bradley Coopers Regiedebüt "A Star Is Born" groß auf.

Lady Gaga konnte sich -trotz wolkenbruchartiger Regenfälle am Lido von Venedig - gar nicht mehr vorder Vielzahl der Fans retten. - © Katharina Sartena

Lady Gaga konnte sich -trotz wolkenbruchartiger Regenfälle am Lido von Venedig - gar nicht mehr vorder Vielzahl der Fans retten. © Katharina Sartena

Venedig. Wer ist noch umjubelter als ein Hollywood-Filmstar? Richtig, ein Popstar. Lady Gaga zum Beispiel. Die konnte sich - trotz wolkenbruchartiger Regenfälle am Lido von Venedig - gar nicht mehr vor der Vielzahl der Fans retten, so laut riefen sie nach ihrem Idol. Und die Gaga? Hat auf ihr Make-up und die Frisur gepfiffen und ist im Regen auf die Fans zugegangen, ohne Schirm, 20 Minuten lang.

Ohne Make-up und Frisur tritt Lady Gaga auch in ihrem ersten Kinospielfilm auf; es ist Bradley Coopers Regiedebüt "A Star Is Born", ja, ein Remake des Klassikers, und ja, auch Cooper spielt darin mit, die beiden geben ein süßes Paar ab, zumindest die meiste Zeit.

"A Star Is Born" ist bereits die vierte Verfilmung der Geschichte einer unbekannten Sängerin, die von einem berühmten Musiker entdeckt wird und diesen karrieremäßig bald hinter sich lässt. Cooper ist ein raubeiniger, dem Alkohol zugeneigter Rockstar, der bei einer Zechtour in einer Gay-Bar auf die einzige Frau dort aufmerksam wird: Die junge Ally (Lady Gaga) singt "La vie en rose" und verzaubert den Rocker. Bald wird dieser nicht nur zu ihrem Lover, sondern auch zu ihrer Eintrittskarte in viel Ruhm und noch mehr Erfolg im Musikbusiness.

Lady Gaga und Bradley Cooper in Venedig

"Ally ist zu Beginn ihrer Karriere eine unsichere junge Frau, die sich nicht traut, in großen Maßstäben zu denken", sagt Lady Gaga. "Das war bei mir ganz anders. Ich zog mit 19 selbstbewusst und mit meinem Klavier im Gepäck von Bar zu Bar, um einen Job zu ergattern. Ich hatte wirklich nichts anderes vor, als Musikerin zu werden."

Für ihren Co-Star und Regisseur hat Gaga nur liebenswürdige Urteile übrig: "Er ist wahnsinnig talentiert, unglaublich fokussiert und ein super Sänger", sagt sie. "Das hätte man ihm nicht zugetraut, das mit dem Singen". Und Cooper selbst sagt sich und der Welt: "Lady Gaga hat mich nach 15 Minuten völlig verzaubert: Wir sangen gleich bei unserem ersten Kennenlernen miteinander und ich bin sehr froh, dass ich in ihr auch eine hervorragende Schauspielerin gefunden habe".

Die Chemie auf der Leinwand funktioniert einwandfrei, das macht "A Star Is Born" zu einem der programmierten Filmhits des Herbstes (in Österreich ab Anfang Oktober im Kino). Zwar operiert Bradley Cooper mit jeder Menge Mainstream-Methodik, was seine Regie angeht, doch das muss nicht immer schlecht sein: Jedem hier, ob Mainstream-Hasser oder Gaga-Fan, geht dieser Film mindestens einmal direkt ans Herz.

Dass Lady Gaga gewöhnlich mit viel Show und Make-up im Rampenlicht steht, ist bekannt. Dass sie darauf auf weiten Strecken in diesem Film verzichtet, ist auch Coopers Bestreben geschuldet. "Er hat gesagt, er will mich ganz ohne Make-up", sagte Gaga in Venedig. "Und bei einem unserer Treffen wollte er mich ungeschminkt sehen, und er erschien mit einem Feuchttuch, das Make-up entfernen kann, und fuhr mir damit übers Gesicht. Ich war erwischt worden, denn ich hatte doch ein wenig Make-up aufgetragen", so die Sängerin. "Aber Bradley wollte mich sehen, wie ich bin, und das habe ich ihm schließlich auch gestattet".





Lady Gaga in Venedig

Im Film geht Sängerin Ally schließlich auch durch die Schule des Popstar-Daseins, in der man lernt, alles zu verdrängen, was man selbst ist und stattdessen Perücken trägt, Texte singt, die man nicht geschrieben hat und Tänze tanzt, die man nicht leiden kann - auch, wenn am Ende ein Grammy wartet. Lady Gaga ist all dem auch begegnet, in ihrem Leben, in Echt. "Am Anfang war ich eine ambitionierte junge Frau, die Songs schreiben konnte. Man sagte mir: Die Songs sind toll, aber du siehst nicht besonders gut aus. Also sollte ich meine Songs hergeben und sie von anderen, besser aussehenden Mädchen singen lassen", erzählt Gaga. Doch wer damals glaubte, die Künstlerin würde sich darauf einlassen, der irrt: "Ich habe denen gesagt: Sorry, aber meine Songs gibt es nur mit mir. Und mit niemand sonst". Wahrscheinlich der Grund, weshalb Lady Gaga der überlebensgroße Popstar wurde, der sie heute ist.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-01 08:49:36
Letzte Änderung am 2018-09-01 11:58:35


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