Die US-Weinindustrie kann sich freuen. Hektoliterweise wird bei den Treffen des Buchklubs von Diane Keaton, Candice Bergen, Mary Steenburgen und Jane Fonda aus riesigen Pokalen Wein getrunken. Wein ist nur ein Produkt, das im Film "Book Club" an die Grenze zur Werbung schwappt. Noch unsubtiler wird ein anderes Produkt angepriesen. Denn auf den ersten Blick wirkt der Film wie ein 105 Minuten langer Werbespot für den Erotikschmafu "50 Shades of Grey". Das ist, um im Jargon dieses Buchs zu bleiben, schon einmal ein ziemlicher Abturner.

Seit Jahrzehnten sind die vier Frauen befreundet: Vivian (Jane Fonda), eine selbstbewusste Karrierefrau mit eigenem Hotel. Diane (Diane Keaton), die nach dem Tod ihres Mannes etwas orientierungslos ist. Sharon (Candice Bergen), die Bundesrichterin, deren privater Sozialkontakt sich mittlerweile auf ihre Katze beschränkt. Und Carol (Mary Steenburgen), die Einzige, die noch einen Mann hat, was sie aber nicht weniger einsam macht. Jeden Monat treffen sich die vier Frauen, um ein neues Buch zu besprechen. Die beischlafaffinste der Freundinnen, Vivian, bringt "Shades of Grey" mit und setzt damit allerlei Kalamitäten in Gang.

Trockenperiode

Am meisten aufgerührt wird Carol von dem Buch, denn ihr Notstand ist tatsächlich ein ausschließlich sexueller. Ihre Alleingänge bei der Behebung der Trockenperiode sind für ihren Mann (Craig T. Nelson) im besten Fall peinlich. Auch Richterin Sharon fühlt sich durch die Lektüre animiert und meldet sich bei einer 60plus-Internet-Partnerbörse an. Diane kann mit der unwahrscheinlichsten Romanze aufwarten: Sie sitzt im Flugzeug neben einem Mann (Andy Garcia), dem sie weismacht, sie lese nicht gerade Peitscherl-Erotik, sondern "Moby Dick". Das führt in weiterer Folge natürlich zu Kuscheln auf einem aufblasbaren Schwan in seinem Pool - bevor Diane erkennen muss, dass nicht mehr sie Herrin ihres Lebens ist, sondern ihre Töchter. Die glauben nämlich, sie stehe an der Schwelle zur Demenz und müsse unter Beobachtung gestellt werden. Vivian wiederum, die ihr Lebtag kein Interesse an Liebesbeziehungen, sondern nur an Bettgeschichten hatte, wird von ihrem einstigen Fast-Verlobten Arthur (Don Johnson) heimgesucht und ihre Eisfassade bröckelt und schmilzt unvermeidlich.

Das Beste an "Book Club" sind die ersten paar Minuten, in denen mit alten Fotos und im knackigen Zeitraffer die Lebenswege der Frauen vorgestellt werden (und erklärt wird, dass Sharon ihren Mann verlassen hat, nachdem er sie gefragt hat, wer dieser "Don Kwiksote" eigentlich sei). Außerdem wird das erste Buch, das im Buchklub behandelt wurde, gezeigt: Erica Jongs "Angst vorm Fliegen". Im Unterschied zur dümmlichen Unterwerfungsfantasie von "Shades of Grey" ist das wirklich ein Roman über die sexuelle Befreiung der Frauen. Die Damen haben also über die Jahre beim literarischen Anspruch ziemlich runtergewirtschaftet.

Viel Anspruch hat dementsprechend auch der Film nicht - auch wenn es heutzutage schon als Sensation bezeichnet werden kann, dass ein ganzer Film sich nur um Frauen und dabei auch noch um nicht mehr ganz junge dreht. Die Dialoge sind mitunter durchaus pointiert. ("Wir sind keine Frühlingsblumen mehr. Wir sind eher Potpourri.") Und Diane Keaton in ihrer seit Woody-Allen-Zeiten unveränderten Schusseligkeit und Candice Bergen mit ihrer komödiantischen Schauspielwucht sind ein Vergnügen. Was will ein Feel-Good-Movie-Besucher mehr. Außer einen riesigen Pokal voller Wein.