Wie realistisch ist der Polizeialltag, den Sie in "Cops" zeigen?

Der Film versteht sich als mahnende Dystopie. Es gibt immer wieder Fälle in der Polizei, wo Beamte zu unglaublichen Verbrechen fähig sind. Und da muss schon ein System dahinterstehen. Wenn man etwa mit dem Soziologen Reinhard Kreissl spricht, der lange im Bereich der Polizei geforscht hat, dann bestätigt einem der, dass alles, was in "Cops" gezeigt wird, der Wahrheit entspricht. Für ihn ist der Film kein Spielfilm, sondern fast wie eine Doku. Trotzdem darf man nicht alles für bare Münze nehmen, was ich zeige, es geht mir mehr darum, zuspitzend zu thematisieren, wohin wir uns entwickeln und was passieren könnte, wenn wir nicht aufpassen.

Muss man als Wega-Beamter nicht eine gewisse Bereitschaft zu einer Rambo-Mentalität mitbringen? Allein dem Drill zu folgen, "auf unser Land aufzupassen", das klingt schon so, als wäre man dort Teil eines Actionfilms.

In Wien gibt es über 200 Wega-Beamte, und natürlich sind das nicht lauter Rambos. Aber ein gewisses Mindset muss man schon mitbringen, um diesen Job überhaupt machen zu wollen. Und da gehört sicher auch die Suche nach dem Abenteuer dazu. Denn es ist ein ganz anderer Job als der, den Streifenpolizisten machen oder die Kripo. Als Wega-Beamter bist du sozusagen "an der Front". Ich glaube nicht, dass man dort gerne das Wort Krieg hört, aber die Wega-Beamten sehen sich schon als eine Art Krieger gegen das Verbrechen.

Von der Machart her dominiert in "Cops" der psychologische Kampf Ihres jungen Helden mit sich selbst die Handlung.

"Cops" ist kein Actionfilm. Es gibt zwar Actionszenen, aber die sollten immer Sinn machen im Rahmen der Handlung. Mir war wichtig, hinter die Kulissen des Polizeibetriebs zu schauen, und da spielt Psychologie eine wichtige Rolle. Natürlich sollte "Cops" unterhaltsam sein, keine Frage. Ich wollte einen Film drehen, der einen förmlich in die Handlung hineinzieht und irgendwann wieder ausspuckt.

Wie politisch ist der Film?

Ich wollte mit "Cops" durchaus politisches Kino machen, mit dem ich aber auch ein Publikum erreichen kann, das über das cineastisch geschulte Publikum hinausgeht. Deshalb wollte ich bis zu einem gewissen Grad auch gängigen Seh-Konventionen entsprechen, es sollte dem Auge gefallen, wenngleich ich dann und wann auch experimentiert habe. Das Verhältnis musste stimmen, vor allem bei Tempo, Schnitt und im Sounddesign. Der Film sollte unterhaltsam sein und zugleich eine Message haben.

Werden die Wega-Beamten den Film mögen?

Schwer zu sagen. Ich sehe "Cops" als kritischen Polizeifilm, er ist kontrovers und will Diskussionen entfachen. Das Thema lässt niemanden kalt, jeder hat eine Geschichte zur Polizei und kann mitreden. Das ist ganz ähnlich wie beim Fußball: Jeder hat dazu eine Meinung.