Haben Sie selbst je mit der Glock geschossen?

Ja, ich habe bei der Waffentrainerin, die im Film vorkommt, einen Schnellkurs mit der Glock absolviert.

Das Revolutionäre an der Glock soll ihre Einfachheit sein und dass sie immer funktioniert. Sie gilt den Gangs auf der Straße quasi als Lebensversicherung...

Ich kann diese Einstellung zu einer Waffe nicht nachvollziehen. Mir war aber wichtig, dass ich den Menschen, die vor meiner Kamera erzählen, auf Augenhöhe begegne und sie nicht durch meinen Wertefilter hindurch beurteile. Ich glaube, das ist beim Dokumentarfilm eines der wichtigsten Faktoren: Menschen, die einen anderen Realitätszugang haben als ich, mit Respekt zu begegnen und zu versuchen, ihren Blick auf ihre Realität wiederzugeben, ohne meine Filter anzuwenden. Dadurch erhält auch der Zuschauer die Möglichkeit, das Gesehene selbst moralisch zu bewerten. Ein erhobener Zeigefinger hat da nichts verloren. "Weapon of Choice" ist kein Antiwaffen-Lehrfilm und kein Kampagnenfilm.

Der Film erzählt sehr viel mehr. Es ist ein Weltporträt, eine Zustandsbeschreibung unserer Zeit.

Ich fragte mich, welche Zusammenhänge ich alle über eine Pistole erzählen kann. Ich habe das in drei Blöcke eingekreist: Glock in der amerikanischen Waffen- und Populärkultur, darüber lassen sich die schwarz-weißen Rassenprobleme sehr gut erzählen. Der zweite Teil ist das Unternehmen Glock, das erzählt viel über Österreich und die Mechanismen des Kapitalismus. Im dritten Teil widme ich mich den geopolitischen und historischen Zusammenhängen, in denen Glock groß geworden ist - von 9/11, dem War on Terror und Saddam Hussein.

Welche Verantwortung beim Export von Glock-Waffen hat eigentlich der österreichische Staat?

Es gibt in Österreich zwar Waffenexportgesetze, aber die sind extrem intransparent. Die Länder, wohin exportiert werden darf und wie viel, das wird alles nicht offengelegt, auch die Zahlen, wie viele Waffen Glock wohin exportiert, werden nicht kommuniziert. Die Arbeit von Journalisten wird fast unmöglich gemacht, weil man im Vorfeld diese Daten verschleiert. Das ist ein Missstand.

Und Glock selbst?

Der Mythos besagt, dass Gaston Glock ohne Vorkenntnisse in seiner Garage diese Pistole gebaut hat, die die Rüstungsindustrie revolutioniert hat. Das erinnert an Steve Jobs oder Bill Gates, die beide auch in der Garage werkten. Das ist dieser ganz ursprüngliche Erfindermythos, den hat man bei Glock in Reinform. Unter diesem Aspekt ist das eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte. Andererseits ist diese Pistole nun einmal ein Tötungswerkzeug. Und damit gehen natürlich moralische Fragen einher. 1,5 Millionen Glock-Waffen werden jährlich in die ganze Welt exportiert. Man kann sich ausrechnen, wie viel Leid mit diesen 1,5 Millionen Waffen angerichtet wird. Und dann geht es um Verantwortung: Wenn hier in Österreich dieses Produkt hergestellt wird, mit dem weltweit geschossen und getötet wird, und hier die Arbeitsplätze sind und die Steuern dafür gezahlt werden, dann hat das auch mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun. Ich wünsche mir, dass dieser Umstand durch den Film bekannt wird: nämlich, dass wir die Welt mit Schusswaffen versorgen.