In "Weapon of Choice" (jetzt im Kino) dreht sich alles um die Glock, die beliebteste Pistole der Welt, die aus Österreich stammt und in Deutsch-Wagram und Ferlach gebaut wird. Jährlich 1,5 Millionen Glocks verlassen die Werke in alle Welt. Regisseur Fritz Ofner hat mit Eva Hausberger eine umfassende Doku gedreht, in der man den Erfolg von Glock kritisch durchleuchtet - nicht nur die fragwürdige Vermarktung eines Tötungsgeräts wird darin thematisiert, sondern auch die Frage, wie man als Gesellschaft damit umgeht, von internationalen Waffenverkäufen zu profitieren.

"Wiener Zeitung": Herr Ofner, was war der Ausgangspunkt für eine Befassung mit der Glock?

Fritz Ofner: Mein Ausgangspunkt war ein sozialer, kulturanthropologischer. Die Glock ist ein Tötungswerkzeug. Eine Pistole hat keine sekundäre Verwendung. Ich wollte dieser Pistole von der Produktion bis hin zu den Menschen folgen, die sie verwenden. Dabei wollte ich herausfinden, mit welcher Bedeutung Menschen dieses Objekt aufladen. Außerdem wollte ich wissen, wie Glock zu diesem Global Player der Rüstungsindustrie aufsteigen konnte. Ich war für frühere Projekte öfter in Kriegs- und Krisengebieten und stieß dabei immer wieder auf die Glock, dieses Produkt made in Austria. Rund um sie kursiert vielerorts ein Mythos, fast etwas Magisches, wenn die Menschen über die Glock sprechen. Zugleich war ich erstaunt, dass man in Österreich selbst so wenig über die Glock weiß und nicht ahnt, dass die Glock von Österreich aus die gesamte Waffengattung in der Rüstungsindustrie revolutioniert hat.

Regisseur Fritz Ofner probierte auch eine Glock. - © Katharina Sartena
Regisseur Fritz Ofner probierte auch eine Glock. - © Katharina Sartena

Gaston Glock, der Erfinder der Waffe, hat Ihnen kein Interview gewährt. Dafür zwei seiner einstigen Mitstreiter - heute seine Feinde.

An Gaston Glock kommt man nicht heran, er gibt keine Interviews. Also habe ich versucht, nach dem Motto "Zeige mir deine Freunde, und ich sage Dir, wer du bist" zu arbeiten. Beide sind ehemalige Geschäftspartner, die aus der Firma geschmissen wurden. Und beide erzählen vom Innersten des Business. Zum einen ist da Charles Ewert, auch "Panama Charlie" genannt, der im Gefängnis sitzt, weil er den Mordanschlag auf Gaston Glock in Auftrag gab. Dieses Interview im Gefängnis war eines der absurdesten Gespräche, die ich jemals führte. Und dann ist da Paul Jannuzzo, der einstige CEO von Glock USA, den haben wir erwischt, kurz nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde. Der hat Groll gegenüber seinem einstigen Arbeitgeber und erzählt aus diesem Groll heraus. Gleichzeitig gibt er tiefe Einblicke ins Unternehmen und wie es im Waffenbusiness abläuft. Besonders spannend fand ich, wie er erzählte, dass die Amokläufe in den USA in Wahrheit eine ausgezeichnete Werbung für das Unternehmen sind. Das muss man in seiner Perfidität erst einmal so richtig sickern lassen.