Venedig. Als Florian Henckel von Donnersmarck 2007 den Oscar für sein DDR-Stasi-Drama "Das Leben der anderen" erhielt, da war der Zwei-Meter-fünf große Mann mit den beiden Staatsbürgerschaften aus Deutschland und Österreich aus dem Nichts zum Zenit seiner Karriere gestürmt. Danach stand ihm Hollywood offen, und er inszenierte mit "The Tourist" (2010) ein uninspiriertes Blockbuster-Debüt mit Angelina Jolie und Johnny Depp, das vor der Kulisse Venedigs spielte und zum veritablen Flop wurde. Acht Jahre später stellt sich Henckel von Donnersmarck, der aus einer altschlesischen Adelsfamilie stammt, erneut mit einem Film der Welt: Für "Werk ohne Autor" (ab Freitag im Kino) ist er nach Deutschland zurückgekehrt, und der Film ist wieder spürbar persönlicher und dichter an des Regisseurs Umfeld dran.

Der dreistündige Film erzählt von dem fiktiven Künstler Kurt Barnert (Tom Schilling), der der DDR entflieht und lebenslang unter seinen Kindheitserinnerungen im NS-Regime leidet. Barnert, der seinen künstlerischen Weg zu finden versucht, beginnt eine Liebesbeziehung zu Ellie (Paula Beer), der Tochter jenes skrupellosen einstigen NS-Arztes (Sebastian Koch), der Kurts Tante in den Tod geschickt hat. Doch das ist erst der Anfang des Dramas. Henckel von Donnersmarck erntete für sein an die Lebensgeschichte des Malers Gerhard Richter angelehntes Drama bei der Premiere in Venedig Applaus, aber auch einige schlechte Kritiken.

"Wiener Zeitung": Wie sind Sie auf diese Geschichte gekommen, und inwieweit war Gerhard Richters Biografie dafür Vorbild?

Florian Henckel von Donnersmarck:Ich war lange auf der Suche nach einer Geschichte über menschliche Kreativität. Und wie diese Kreativität mit dem Umfeld zu tun hat, aus dem man stammt und in das man hineinwächst. Die persönlichen Erlebnisse fließen oft in die eigene Kunst ein, das ist bei vielen Künstlern so, davon bin ich überzeugt. Ich habe Jürgen Schreibers Biografie von Gerhard Richter gelesen. Vieles in meinem Film ist fiktional, aber eine Sache habe ich von dort übernommen. Gerhard Richter hatte eine Tante, die er auch gemalt hat, wie sie ihn als Kind in den Armen hielt, und diese Tante wurde von den Nazis umgebracht, weil man ihr Schizophrenie attestierte und sie im Zuge der Euthanasie-Programme ermordet wurde. Das Mädchen, in das sich der kleine Junge auf dem Bild später als junger Erwachsener verlieben wird, ist die Tochter dieses Nazi-Arztes, der seine Tante in den Tod schickte. Ich dachte: Das ist ein unglaublich guter Starpunkt für eine dramatische Erzählung. Und es erlaubte mir, die Geschichte unserer Länder Deutschland und Österreich zu erzählen, weil damit illustriert wurde, wie Täter und Opfer gemeinsam in den selben Familien zusammenlebten. Entlang dieser Erinnerungen muss meine Hauptfigur ihren künstlerischen Weg erst finden. So konnte ich eine persönliche Geschichte erzählen und zugleich die großen Themen, die Deutschland und Österreich befassen, verhandeln.