• vom 06.10.2018, 17:00 Uhr

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Von Wolfgang Tumler

  • Über biografische Wirklichkeit in Filmen, am Beispiel von "Werk ohne Autor" von Florian Henckel von Donnersmarck.



Gerhard Richters Bild "Tante Marianne" (das 2005 bei Sotheby’s versteigert wurde und nun als Dauerleihgabe in Dresden hängt), dessen Geschichte Eingang in "Werk ohne Autor" fand.

Gerhard Richters Bild "Tante Marianne" (das 2005 bei Sotheby’s versteigert wurde und nun als Dauerleihgabe in Dresden hängt), dessen Geschichte Eingang in "Werk ohne Autor" fand.© Sotheby's Handout / EPA / picturedesk.com Gerhard Richters Bild "Tante Marianne" (das 2005 bei Sotheby’s versteigert wurde und nun als Dauerleihgabe in Dresden hängt), dessen Geschichte Eingang in "Werk ohne Autor" fand.© Sotheby's Handout / EPA / picturedesk.com

Was für ein Film! Der österreichische Komponist Alban Berg (1885-1935) schwängert zuerst die Haushälterin seiner Eltern und heiratet dann eine Sängerin, die eine uneheliche Tochter des Kaisers Franz Joseph I. sein soll. Er verkehrt gesellschaftlich mit den kulturellen Größen seiner Zeit - dem Maler Gustav Klimt, dem Schriftsteller Peter Altenberg, dem Spötter Karl Kraus und dem Architekten Adolf Loos. Seine Opern "Wozzeck" und "Lulu" machen ihn weltberühmt. Der Film erzählt das erstaunliche Leben eines großen Künstlers, eine anrührende Liebesgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien.

So hörte sich der Vorschlag eines aufstrebenden Filmproduzenten aus Deutschland an, der mich vor einigen Jahren wegen einer Finanzierung um Rat fragte. Das Projekt klang sehr attraktiv, und ich wollte wissen, ob ich helfen könne. Na ja, sagte der junge Mann, er dürfe den Namen Alban Berg nicht für seinen Film verwenden. Ach, sagte ich, da machen Sie sich mal keine großen Sorgen. Denken Sie sich einen schönen Namen aus, und die Freunde seiner Musik werden Alban Berg sicher erkennen. Werbung und Presse werden ein Übriges tun. Und Sie gewinnen viel künstlerische Freiheit. War das alles?

Information

"Wiener Zeitung"-Interview mit Florian Henckel von Donnersmarck

WZ-Filmkritik "Werk ohne Autor"

Wolfgang Tumler, geboren 1947, Stiefsohn des Schriftstellers Franz Tumler, war bis 2010 TV-Produzent in Berlin und lebt nun als Autor in Wien.

Der Produzent zögerte ein wenig und gab dann preis, er dürfe auch die Musik Alban Bergs nicht in seinem Film spielen. Nun war ich es, der zögerte. Ernsthaft? Ja, ernsthaft. Ich schaute ihn ungläubig an. Was bleibt denn dann übrig, fragte ich irritiert. Na, eine schöne Liebesgeschichte. Man hat von dem Film nie wieder gehört. . .

Teure Rekonstruktion

Die heute im Kino sehr beliebten Biopics sind nicht etwa umweltfreundliche Filme, die mit naturbelassenen Materialien unter humanen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Es sind (bio)grafische Filme - englisch (pic)tures -, die das Leben einer berühmten Persönlichkeit aus Zeitgeschichte oder Kunst in dramatisierter Form erzählen - nach einem Drehbuch mit Schauspielerinnen und Schauspielern in Szene gesetzt. Keine Dokumentationen also, sondern Spielfilme, deren Herstellung oft wegen der historischen Hintergründe, die rekonstruiert werden müssen, besonders teuer ist.

Der Vorteil für gute Aussichten an der Kinokasse: Die Geschichte oder die Person waren schon einmal ein Erfolg oder jedenfalls von großer Aufmerksamkeit begleitet. Charly Chaplin zum Beispiel oder Adolf Hitler. Der Nachteil: Damit der Film spannend oder anrührend genug wird, müssen zusätzlich Anekdoten und Dialoge erfunden werden, die es im wahren Leben gar nicht gab. Das darf aber nicht so weit von der überlieferten Persönlichkeit wegführen, dass sie unkenntlich wird. Dann wäre ihr Werbewert für den Film dahin. Die Person darf andererseits auch durch die Handlung oder die Dialoge nicht herabgesetzt oder sinnentstellt gezeigt werden. Und oft, wie im Fall von Alban Berg, dürfen die Figuren im Film nicht den Echtnamen der Vorbilder tragen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-10-04 15:24:44
Letzte Änderung am 2018-10-06 12:27:06



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