Was in dem Zusammenhang erlaubt und was verboten ist, steht zum Teil im Gesetz - und wird darüber hinaus in einem Vertrag festgehalten, der die Persönlichkeitsrechte der gezeigten Person oder ihrer Nachkommen schützen soll. Gewöhnlich kostet dieser Vertrag den Produzenten Geld, und falls die benötigten Erinnerungen schon als Buch vorliegen, müssen auch noch Autor und Verlag dieses Buches für die Nutzung in einem Film vertraglich abgesichert und bezahlt werden.

Der Erfolg mit einer bereits vom Leben geschriebenen Story wird einem Film also nicht geschenkt. Florian Henckel von Donnersmarck riskiert das mit seinem neuen Film, "Werk ohne Autor". Er führt nach der wahren Lebensgeschichte eines berühmten Malers und der Schreckensherrschaft der Nazis in Deutschland die Täter und Opfer eines monströsen Verbrechens in einer Familie zusammen. Das schielt auf den ersten Blick nicht nach einem Kassenerfolg mit Unterhaltung.

Der Film beruht auf einer Story, die nicht nur das Leben geschrieben hat, sondern auch der Tod. Der Berliner Journalist Jürgen Schreiber hat sie herausgefunden und notiert. Am 22. August 2004 erschien in der Berliner Zeitung "Der Tagesspiegel" sein Artikel "Tante Marianne - Das große Geheimnis des Malers Gerhard Richter". Darin erzählt Schreiber die Geschichte eines Gemäldes, das nach einem Foto gemalt wurde. Ihn interessieren dessen Hintergründe, die Leben der Menschen, die darauf abgebildet sind. Gerhard Richter war schon damals einer der bekanntesten Maler der Gegenwart, seine Bilder gehören heute zu den teuersten der Welt.

Im Rahmen einer Serie nach Fotos aus dem Familienalbum malte er 1965 das Bild "Tante Marianne". Zu sehen sind ein junges Mädchen und ein Säugling: Marianne Schönfelder, die jüngere Schwester seiner Mutter, damals 14 Jahre alt, und deren kleiner Neffe, Gerhard Richter selbst, gerade vier Monate alt.

Geschichte eines Fotos

Als Jürgen Schreiber begann, die Geschichte des Fotos zu recherchieren, das 1932 entstanden war, stieß er auf einen schrecklichen Lebenslauf mitten in Nazideutschland. Marianne Schönfelder war, was man heute "geistig desorientiert" oder "auffällig" nennen würde. Damals reichte das für die Diagnose "schizophren". Mit 21 Jahren wurde sie von den hilflosen Eltern in die Psychiatrie eingewiesen und zwangssterilisiert. Sie kam nie wieder frei. Im sogenannten "Euthanasieprogramm" der Nationalsozialisten wurden geistig Behinderte und Auffällige zunächst chirurgisch von der Fortpflanzung ausgeschlossen und später ermordet.

Aber damit nicht genug. Der Kunststudent Gerhard Richter heiratete 1957 in Dresden ein Fräulein Eufinger, die Tochter seines Vermieters und ersten großzügigen Förderers, des Gynäkologen Heinrich Eufinger. Der war nach 1933 im deutschen NS-Staat als einer der führenden Mediziner bis zum SS-Obersturmbannführer aufgestiegen. Ab 1936 leitete er die Dresdener gynäkologische Klinik Friedrichstadt, in der mehrere Tausend Zwangseingriffe stattfanden - Sterilisationen als Verstümmelung von geistig Behinderten.