• vom 04.10.2018, 17:02 Uhr

Film

Update: 04.10.2018, 17:17 Uhr

Filmkritik

Die Sterne sind zum Greifen nah




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Von Matthias Greuling

  • Bradley Coopers Remake von "A Star Is Born" belebt das totgeglaubte Genre des Liebesfilms neu.



Wahre Leinwandliebe: Bradley Cooper und Lady Gaga himmeln einander an in "A Star Is Born".

Wahre Leinwandliebe: Bradley Cooper und Lady Gaga himmeln einander an in "A Star Is Born".© Warner Wahre Leinwandliebe: Bradley Cooper und Lady Gaga himmeln einander an in "A Star Is Born".© Warner

Sterne haben die Menschen seit jeher fasziniert, weil sie so unerreichbar weit weg waren. Eine ähnliche Verehrung widerfährt dem nicht umsonst sogenannten Star, einer prominenten Persönlichkeit aus Film, Funk und Fernsehen, aus Musik oder Sport. Der Star-Begriff und weshalb man ihm nacheifert, ihn imitiert, ihn anhimmelt, liegt an dieser Unnahbarkeit, dieser Unerreichbarkeit, diesem Mythos: Ein Star ist nur dann ein solcher, wenn er funkelt und wenn er weit über allen Grenzen und Normen des Normalsterblichen wandelt.

Das klingt sehr theoretisch, aber es ist eine passende Präambel, wenn man sich mit "A Star Is Born" (derzeit im Kino), dem Regiedebüt von Schauspieler Bradley Cooper auseinandersetzt. Cooper hat die bislang vierte Adaption des gleichnamigen Originals von 1937 gedreht, zu dem Dorothy Parker, Alan Campbell und Robert Carson das Drehbuch geschrieben hatten. In den acht Jahrzehnten seither haben sich die Welt, ihre Menschen und die Unterhaltungsindustrie von Grund auf verändert, aber der Mythos des Startums ist bis heute unverändert. Und deshalb sind von "A Star Is Born" über die Jahrzehnte immer wieder neue Versionen erschienen, deren Grundmuster gleichgeblieben ist. Eine junge Frau erlebt durch die Bekanntschaft eines gestandenen, etablierten Stars einen kometenhaften künstlerischen Aufstieg, um ihren Förderer am Ende gar zu überstrahlen.

Altmodische Liebe

Das erste Remake des 1937er Originals erschien 1954, Judy Garland und James Mason verliebten sich unter der Regie von George Cukor. Zuletzt taten dies Barbra Streisand und Kris Kristofferson 1976, aber die Tonalität des neuen Films spiegelt am meisten jene von Cukors Fassung wider. Das mag altmodisch sein, aber Liebesfilme sind nun mal so. Weil jeder, der die Liebe noch nicht kennt, ihr unterstellt, aus der Welt zu sein und nicht real, kommt es zu solchen Klassifizierungen: Nämlich dass Liebe altmodisch, kitschig, irreal wäre.

Diese Klischeevorstellung bediente Cukor perfekt, weil man die Story dank der Besetzung glaubte. Bei Cooper ist das wieder so: Es ergibt sich hier eine Konstellation vor der Kamera, die man nicht planen kann, sondern die einfach passiert.

Lady Gaga spielt die junge Nachclubsängerin Ally, die sich in einer Schwulenbar verdingt. Cooper ist der Country-Rocker Jackson Maine, der am Zenith seiner Karriere steht, diesen aber in Wahrheit längst überschritten hat: Schwere Alkoholprobleme setzen ihm mehr und mehr zu. Auf einer Zechtour nach einem Gig torkelt er in die Schwulenbar und trifft auf Ally. Die singt gerade "La vie en rose", und geschehen ist es um den Country-Barden. So geht Kitsch.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-10-04 17:12:38
Letzte Änderung am 2018-10-04 17:17:40



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