Wien. Waltraut Haas sprüht nur so vor Lebensfreude: Den Sommer über stand die österreichische Filmlegende in Weißenkirchen in Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" auf der Bühne und erntete für ihre erste so richtig "böse" Rolle stürmischen Applaus. In dem Buch "Jetzt sag ich’s" (Amalthea) öffnet sie ihre Schatzkiste der Erinnerungen und Anekdoten und im Film "Das kleine Vergnügen" (ab Freitag im Kino) spielt sie die Mutter von Petra Kleinert, die ob einer in die Brüche gegangenen Beziehung mit ihrem Mann (Haas-Sohn Marcus Strahl) einen Sexshop für Frauen eröffnet, was der Mama gar nicht recht ist.

"Wiener Zeitung": Frau Haas, in "Das kleine Vergnügen" sind Sie schockiert darüber, dass Ihre Filmtochter einen Sexshop aufsperrt.

Waltraut Haas: Also privat würde mich das vermutlich nicht so aufregen wie in der Rolle, aber mit diesen Sex-Spielzeugen habe ich trotzdem nichts am Hut. Ich habe mich gewundert, dass man mich für die Rolle wollte, aber es hat mir Spaß gemacht.

Sie sind 91 Jahre alt und haben immer einen vollen Terminkalender.

Ich habe gerade das Buch "Jetzt sag ich’s" fertiggestellt, wo ich viele Erinnerungen aufgeschrieben habe. Im September zu Ende ging mein Engagement in Weißenkirchen, wo wir Ödön von Horvaths Klassiker "Geschichten aus dem Wiener Wald" gespielt haben. Das habe ich als großen Erfolg erlebt. Ich spielte darin die schlimmste Horvath-Rolle, die Großmutter, die ihr Enkelkind umbringt. Ich glaube, ich habe die Leute damit überrascht. So etwas haben sie von mir nicht erwartet, dass ich auch das kann. Meistens spiele ich ja liebliche Rollen. Ich habe meine ganze Kraft eingesetzt, dass man mir das glaubt.

Böse Figuren waren zu der Zeit, als Sie berühmt wurden, nicht in Mode. Das Nachkriegskino hat dann doch lieber die leichte Muse bedient.

Dabei hat es mir Spaß gemacht, düstere Rollen zu spielen. Zweimal war ich in Krimis dabei. Jetzt hatte ich bei Horvath endlich mal die Gelegenheit, jemand Bösen zu spielen. Davor hatte ich große Angst, aber ich bekam einen Riesenapplaus. Und ich wollte zeigen, dass ich auch was anderes kann, als immer nur das brave Mariandl zu sein.

Wobei gerade die Rolle des Mariandl Sie zur Ikone gemacht hat. Hat Sie diese Rolle jemals genervt?

Nein! Gar nicht! Ich habe damit meine Karriere begonnen und bin unendlich dankbar für diese Rolle. War es meine Lieblingsrolle? Nein, meine Lieblingsrolle war die Rösslwirtin. Das lag natürlich auch an meinem tollen Filmpartner Peter Alexander. Wer hat schon so ein Glück? Dass wir nach dem Filmerfolg gleich noch zwei weitere Filme zusammen gemacht haben, war ein Zeichen, dass man uns als Filmpaar sehr gemocht hat. Und wir mochten uns auch privat sehr. Am letzten Drehtag haben wir beide Tränen in den Augen gehabt.