Gibt es Rollen, die Sie nicht spielen würden?

Ich würde keine Rolle spielen, die gegen meine Überzeugung ist. Horvath war an der Kippe. Aber mein Sohn Marcus hat mich motiviert, diese Rolle zu spielen. "Zeig denen, dass du auch was anderes kannst", sagte er.

Sie haben ein sehr enges Verhältnis zu Ihrem Sohn.

Er ist alles für mich. Er kümmert sich um alles, hilft mir sehr. Ich habe nach längerem Sitzen oft etwas Schwindel, da ist er immer zur Stelle. Aber mit 91 darf man so etwas haben. (lacht)

Wie ist Ihr Tagesablauf?

In der Früh stehe ich meist um sieben Uhr auf, und da ich einen kleinen Hund habe, gehe ich um halb acht erst einmal mit ihm spazieren. Danach gibt es Frühstück, und dann ruft irgendwann der Marcus an. Wenn ich irgendwo hin muss, ist er immer da. Für mich ist er mein ganzes Glück. Ich habe eigentlich wirklich nur ihn.

Wenn ich Sie nach Ihrem Mann Erwin Strahl (1929-2011) frage, was ist das erste Bild, dass Ihnen in den Kopf kommt?

(überlegt) Das erste Bild ist sein Abschied. Er war damals schlecht beisammen, motivierte mich aber, dass ich nach Hamburg fahre für eine Synchron-Arbeit. Ich habe mich zuerst geweigert, das zu machen, weil er so krank war. Aber er sagte: "Denk daran, das ist unser Beruf, du musst das machen." Dann war ich drei Tage weg. Und am Rückweg habe ich einen Anruf bekommen: "Fahre nicht erst nach Hause, sondern komme direkt vom Flughafen ins Krankenhaus." Ich habe ihn sprichwörtlich beim letzten Atemzug erwischt. Es ist ein Glück, dass ich ihn noch sehen konnte. Er hat gewartet auf mich, das war sein letzter Moment und dann schloss er die Augen.

Welchen Tipp haben Sie für junge Schauspielerinnen?

Dran glauben, an das, was man macht. An sich glauben, nicht einfach so dahinspielen und andere imitieren. Sondern sich selbst sehr bewusst ins Zentrum stellen und sagen: Ich bin jetzt diese Person. Das bin ich, das kann ich.