Spielt in "Babylon Berlin" einen Wiener Autor in Berlin: Karl Markovics. - © ORF/Hubert Mican
Spielt in "Babylon Berlin" einen Wiener Autor in Berlin: Karl Markovics. - © ORF/Hubert Mican

Wien. Karl Markovics gibt in der Sky-Produktion "Babylon Berlin" in einer Nebenrolle einen österreichischen Journalisten in Berlin. Mit der "Wiener Zeitung" sprach er über sein Rollenverständnis und den Reiz einer Hochglanz-Produktion. "Babylon Berlin" läuft immer Donnerstag um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf ORFeins.

"Wiener Zeitung": Sie spielen einen leicht verschrobenen Journalisten. Bestand da nicht die Gefahr, dass man einen Menschen spielt, den es nicht gab, weil die Rolle wie ein Klischee geschrieben wurde?

Karl Markovics: Ich finde die Rolle des Samuel Katelbach sogar äußerst klischeefrei geschrieben. Denn: Was heißt Klischee? Klischee ist immer eine Verdichtung von Realität. Aber hier ist es tatsächlich so, dass die Autoren extrem genau recherchiert haben. Und wenn sie bei Alfred Polgar oder Karl Kraus genau diesen Typus des Schriftsteller-Journalisten finden, der damals quasi erfunden wurde, dann kann das kein Klischee sein. Das Vorbild eines aus Österreich stammenden Intellektuellen in einer Großstadt wie Berlin wurde extrem gut getroffen. Da musste man nicht mehr eine Färbung reinbringen, die war schon da.

Was wäre gewesen, wenn die Rolle anders geschrieben wäre? Hätten Sie dann eingegriffen?

Ich versuche immer, mit den Regisseuren darüber zu reden, ob man über Dialoge noch diskutieren kann - sofern das nötig ist. Aber wenn ich es so extrem finde, dass es schwierig wird, einen Kompromiss zu finden, suche ich lieber irgendeine Ausrede, etwa dass es zeitlich oder wesensmäßig nicht passt. So konsequent bin ich schon. Ich bin da kein Verfechter der zwingenden Wahrheit. Aber wenn ich das Gefühl habe, da ist noch mehr drin, dann suche ich das Gespräch.

Das klingt sehr höflich, böse Zungen könnten das aber auch als überheblich auffassen.

Ja, natürlich ist das überheblich, ich maße mir da auch etwas an. Ich bin 55 und seit 27 Jahren in dem Beruf, ich mache selbst Filme und lesen sehr viel. Ich maße mir daher an, eine gewisse Ahnung von den Dingen zu haben und auch antizipieren zu können, wohin man mit einem Projekt kommt. Außerdem gibt es natürlich auch noch das Bauchgefühl, aber damit kann man schwer argumentieren. Menschen, die ich gut kenne, kann man auch sagen: "Ich spüre das nicht." Ich habe aber auch nicht das Gefühl, damit in den vergangenen Jahren falsch gelegen zu sein.

Was hat sie an dem Stoff "Babylon Berlin" gereizt? Ihre Rolle ist eine kleinere, aber wichtige. Wo hat es bei Ihnen "Klick" gemacht?