Ein junger Bursch vom Land kommt nach Wien, um hier eine Lehre als Trafikant zu machen. Das Jahr: 1937, die letzten Monate vor dem "Anschluss". Doch Franz (Simon Morzé) interessiert sich wenig für die neuen politischen Zeiten, die allerorts schon anbrechen. Vielmehr faszinieren ihn die Frauen, denen er mit den Tipps seines zufälligen Bekannten Sigmund Freud (Bruno Ganz) nachzustellen versucht. Freud ist Stammkunde in der Trafik des Otto Trsnjek (Johannes Krisch), dem Mentor von Franz.

Nikolaus Leytners Verfilmung "Der Trafikant" (derzeit im Kino) des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler ist prominent besetzt und setzt das Wien der "Anschluss"-Zeit in Szene.

"Wiener Zeitung": Wie werktreu muss man bei einem erfolgreichen Bestseller sein, und wie viel künstlerische Freiheit kann man sich nehmen?

Johannes Krisch ist der auf die Nazis schimpfende, titelgebende Trafikant im Wien des Jahres 1938. - © Tobis
Johannes Krisch ist der auf die Nazis schimpfende, titelgebende Trafikant im Wien des Jahres 1938. - © Tobis

Nikolaus Leytner: Ich wollte schon sehr werktreu sein bei der Adaption. Verfilmungen solch erfolgreicher Romane sind immer problematisch, weil jeder Leser längst selbst einen Film von dem Roman im Kopf hat, seinen ganz eigenen Film. Man macht also im Prinzip ein Remake von all diesen hunderttausenden Kopffilmen. Ich habe versucht, meinen allerersten Eindruck bei der Lektüre als Orientierung zu benutzen, sozusagen meinen Kopffilm umzusetzen.

Worin besteht der Unterschied zu anderen Stoffen, die um 1938 spielen?

Diese Zeit kennen wir sehr gut aus Filmen und Romanen. Hier wird sie ein wenig anders erzählt als sonst, nämlich aus der Perspektive eines jungen, bisschen naiven, aber doch wachen und neugierigen Mannes vom Land. Und der muss zuerst einmal lernen, mit dem Alltag in der Großstadt umzugehen. Dass ihn dabei vielleicht das Dekolleté einer jungen Frau, die er auf der Straße sieht, mehr interessiert als die überall präsenten politischen Spannungen, ist doch eigentlich sehr normal.

Besonders in Seethalers Roman ist die Schilderung des Wienerischen.

Genau. Besonders und sehr wienerisch an dieser Geschichte ist Robert Seethalers Idee, dass der junge Mann eine Freundschaft mit Sigmund Freud gehabt haben könnte. Ich halte das nicht für unwahrscheinlich, dass Freud junge Menschen, die unverstellt auf ihn zugingen, ernst genommen hatte. Belegt ist das natürlich nicht. Was mich aber interessiert hat: Es ist der wienerische Ton, mit dem Seethaler erzählt, der so besonders ist: Dieses Nebeneinander von Dur und Moll, das es da gibt, habe ich versucht, im Film zu erhalten.