"Der Affront" (derzeit im Kino) des libanesischen Regisseurs Ziad Doueiri verhandelt einen Konflikt vor dem Hintergrund religiös-gesellschaftlicher Differenzen, als Zündschnur fungiert dabei die geradezu lächerliche Ursache für einen handfesten Streit: Wegen eines illegal angebrachten Abflussrohrs am Balkon geraten in Beirut ein Libanese und ein Palästinenser aneinander. Der Konflikt verschärft sich, als keiner der beiden Unrecht am eigenen Tun einsehen kann; bald schwillt der Fall zur Staatsaffäre an, bei der sich nicht nur das Fernsehen einschaltet, sondern auch der Präsident. Ein Gerichtsverfahren soll die Schuldigen ausmachen, aber in einem Land, das "einem Pulverfass gleicht" (Regisseur Doueiri), ist das nicht so einfach. Mit den Mitteln des filmischen Mainstreams erzählt der in den USA ausgebildete Doueiri eine Geschichte voller Hass und gegenseitiger Bezichtigung, die packend und zugänglich bleibt und trotzdem niemals platt wirkt. "Der Affront" ist hochpolitisches Kino im Mantel eines spannenden Thrillers.

"Wiener Zeitung": Der Ursprung dieses Films soll eine wahre Begebenheit sein, stimmt das?

Ziad Doueiri: Ja. Dieser Anlassfall im Film ist mir selbst passiert: Als ich in Beirut lebte, hatte ich eines Morgens meine Pflanzen auf dem Balkon gegossen. Das überschüssige Wasser rann durch einen löchrigen Abfluss und landete auf dem Kopf eines Arbeiters, der unter dem Balkon stand. Er begann mich zu schimpfen, ich schimpfte zurück, wir schrien uns an. Das hat sich so aufgeschaukelt, bis ich ihn wirklich unglaublich gemein beleidigt habe. Danach habe ich mich entschuldigt. Diese Szenerie hat mich nicht losgelassen, und ich dachte, was das für ein großartiger Film wäre, wenn der Konflikt einfach immer weiter anschwellen würde, um zu illustrieren, wie brüchig das gesellschaftliche Gefüge im Libanon ist. Das Land steht immer am Rande eines Bürgerkriegs. Ich dachte: Kann so etwas wirklich passieren? Ja, im Nahen Osten ist das denkbar. Dort ist jedes Wort brandgefährlich.

Ziad Doueiri weiß, dass seine Filme aufregen. - © Katharina Sartena
Ziad Doueiri weiß, dass seine Filme aufregen. - © Katharina Sartena

Ein großer Teil des Films spielt im Gerichtssaal. Das erinnert an die klassischen amerikanischen Gerichtsfilme. Waren die ein Vorbild für Sie?

Ja, ich habe mir "Die 12 Geschworenen" ebenso angesehen wie "The Verdict" oder "Das Urteil von Nürnberg". Ich finde diese Filme faszinierend. Ich habe das Drehbuch zum Film auf Englisch geschrieben, und es erst später übersetzt, weil im Englischen sehr viele Dinge für die Leinwand besser beschreibbar sind, finde ich. Das ist eine sehr filmische Sprache. Ich wollte, dass der Film spannend ist wie ein Krimi, und daher habe ich die Vorbilder genau studiert.