Doch halt! B-Movies sind keineswegs der Schund, für den sie jahrzehntelang gehalten wurden. Die Viennale-Retrospektive zeigt dies deutlich auf. Nicht nur haben einige Genres ihre Wurzeln im B-Movie - etwa verortet man heute die Anfänge des Film noir genau in diesem Dunstkreis - sondern ließen sich auch viele Filmemacher von dieser Gattung beeinflussen, darunter Jean-Luc Godard, Hartmut Bitomsky und Kathryn Bigelow. Auch zahlreiche Western, Krimis und Thriller wären ohne die Experimentierfreude der B-Filmemacher nicht möglich gewesen.

Heute speisen Filmemacher wie Robert Rodriguez oder Quentin Tarantino ihre gesamte Filmografie fast ausschließlich aus Versatzstücken alter B-Movies; Tarantino liebt Spaghetti-Western, die man als das B-Pendant zum stolzen amerikanischen Western sehen kann. Der Trashfilm ist nicht zuletzt durch diesen Regisseur zum Kultgegenstand der Popkultur geworden, aber auch zum weithin ernstgenommenen und vor allem profitablen A-Produkt für die Kinolandschaft.

Zugleich sind etliche der Regisseure und Schauspieler, die dereinst als B-Moviestars begannen, später in die A-Liste aufgestiegen. Man denke an "Zwei glorreiche Halunken" (1966), eigentlich ein Low-Budget-Spaghetti-Western, doch Sergio Leones Film mauserte sich über die Jahre zum Vorzeige-Beispiel für das gesamte Genre, an dem niemand vorbeikommt, der sich mit Western auseinandersetzt. Es ist, als würde gerade der als B-Film angelegte, zu Klischees verdichtete Spielfilm das Zeug dazu haben, später als Destillat, als Essenz einer Stilrichtung oder eines Genres ausgewiesen zu werden. Etwas, das profiliertere, teure Produktionen oftmals gar nicht erreichen. Clint Eastwood, James Cagney, ja sogar Humphrey Bogart begannen allesamt in B-Movies und wurden zu Kassengold. Die "Rocky Horror Picture Show" ist ein B-Movie-Beispiel aus einem anderen Genre, das den Sprung in die A-Liga schaffte, und mit ihm Tim Curry und Susan Sarandon.

B-Movies im A-Kino

Roger Corman, der als der B-Movie-König schlechthin gilt, hat über 400 solcher Filme gedreht oder produziert, unter ihnen viele Klassiker ("The Little Shop of Horrors", 1960). Durch seine Experimentierfreude ist sein Fußabdruck in der Filmgeschichte größer, als man annehmen möchte: Er etablierte Stile und Techniken, die später von seinen Protegés Francis Ford Coppola, Martin Scorsese oder James Cameron in die Welt der Blockbuster und A-Filme getragen wurden. Auch Alfred Hitchcock hatte seine Anfänge im britischen B-Movie, wo er sich als Meister des Horrors schnell einen Namen machte, ehe er in den USA etliche seiner Frühwerke mit A-Budgets und in Farbe neu drehte. Die Liste der Viennale-Retrospektive beinhaltet auch die Namen heute renommierter Regisseure wie eben Corman oder Charles Vidor, Fred Zinnemann, Edgar G. Ulmer, Richard Fleischer, Samuel Fuller, Jacques Tourneur oder Edward Dmytryk. Und Ed Wood? Ist bei der Filmschau mit dem angeblich schlechtesten Film der Filmgeschichte vertreten: "Plan 9 From Outer Space" zeigt aber, mit welcher Leidenschaft dieser Filmemacher gearbeitet hat.

Heute verortet sich das B-Movie vorwiegend im Horror- und Splatterkino, aber auch bei Thrillern, Crime-Stories oder Actionfilmen gibt es eine relativ dünne Schicht aus hochkarätigen Filmen und eine sehr dicke darunter aus B-Ware. Diese dient - wie schon in der 30er Jahren - zuallererst der Suggestion von Fülle und Vielfalt. Gerade bei Streamingdiensten wie Amazon oder Netflix, die sich anschicken, die privaten Kinosäle der Zukunft zu sein, lässt sich aus dem unglaublich umfangreichen Angebot sehr gut ablesen, wie viel überwiegend zugekaufte B-Ware es im Angebot gibt. Es ist der perfekte Ort für das B-Movie, auf das per Mausklick ein Millionenpublikum wartet. Ed Wood hätte seine reine Freude damit. Er würde heute bestimmt für Netflix drehen.