• vom 24.02.2015, 17:15 Uhr

Film

Update: 24.02.2015, 17:19 Uhr

Interview

Von der Dramaturgie des Zufalls




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Von Matthias Greuling

  • Dokumentarfilmer Frederick Wiseman über seinen Museumsfilm "National Gallery" und die Zukunft des Films.

Stille Momente: Altmeister Frederick Wiseman gewährt in seinem Dokumentarfilm "National Gallery" außergewöhnliche Einblicke in den Alltag der altehrwürdigen Londoner Kulturinstitution.

Stille Momente: Altmeister Frederick Wiseman gewährt in seinem Dokumentarfilm "National Gallery" außergewöhnliche Einblicke in den Alltag der altehrwürdigen Londoner Kulturinstitution.© Filmladen Stille Momente: Altmeister Frederick Wiseman gewährt in seinem Dokumentarfilm "National Gallery" außergewöhnliche Einblicke in den Alltag der altehrwürdigen Londoner Kulturinstitution.© Filmladen

Mit "National Gallery" (ab Freitag im Kino) setzt der US-amerikanische Dokumentarfilmer Frederick Wiseman, 85, dem Londoner Vorzeigemuseum ein filmisches Denkmal. Pomp und Glorie interessieren ihn wenig. Ihm geht es um die Abbildung des musealen Alltags. Wir trafen ihn zum Gespräch in Paris.

"Wiener Zeitung":Mr. Wiseman, was interessiert Sie an einem Museum wie der "National Gallery"?

Information

Zur Person: Frederick Wiseman, 85, gehört zu den renommiertesten US-Dokumentarfilmern. Sein Stil, ohne Narration und Interviews, ist exzeptionell.


Frederick Wiseman: Ich dachte, dass ein Museum ganz gut zu meiner Serie von Filmen passen könnte, die sich Institutionen widmen. Ich wollte das schon in den 1980ern machen, aber das scheiterte damals an der Finanzierung. Während eines Wintersporturlaubs 2010 lernte ich auf der Piste die Zuständige für die britische National Gallery kennen und sie machte mir den Vorschlag, einen Film in ihrem Museum zu drehen. Ich willigte ein, und das war’s.



Das Museum als relativ statischer Ort kann ein ziemlich ungeeigneter Ort für einen Kinofilm sein, oder?

Das würde man vielleicht denken, es stimmt aber nicht. Ich habe einfach beobachtet, wie die Menschen in dem Museum die Gemälde betrachten, und kam drauf, dass das ein sehr filmischer Vorgang ist. Die Frage war, wie man die Gemälde auf spannende Weise filmen könnte. Ich fand, dass man die Bilder nicht als Objekte an der Wand abfilmen sollte, sondern dass man - wo immer es möglich war - sie bildfüllend wiedergeben sollte. Das ging nicht bei allen Gemälden, weil manche ein anderes Bildformat als die Kamera hatten. Außerdem wollte ich sie auch in mehreren Ausschnitten präsentieren, sodass man daraus Sequenzen bauen kann, verstehen Sie?

So wie die Bilder in einem Comic?

Genau! Oder wie in einem Film. Man zeigt die Bilder in einer Serie von Einstellungen und Details und erzählt so ihre Geschichten auf eine dynamische Art. Es wird dann schnell interdisziplinär: Ich zeige Gemälde in Filmbildern, andere im Film beschreiben sie mit poetischen Worten, wieder andere setzen sie mit einem Tanz gleich. Es geht dabei immer um dieselbe Geschichte, die erzählt wird, nur die Form ändert sich. Das ist eines der Themen des Films.

Sie haben einmal gesagt, dass das "Cinema Vérité" bloß ein eitler französischer Begriff sei.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-02-24 15:11:06
Letzte Änderung am 2015-02-24 17:19:46


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