"Spotlight" ist demnach ein Plädoyer für eine Presse, die sich nicht mehr mit den Mächtigen arrangiert.

Genau. Der Film zeigt in unspektakulärer Weise, wie unverzichtbar und notwendig eine freie Presse ist.

Welche Meinung hatten Sie zu dem Missbrauchs-Skandal?

Persönlich denke ich, dass jeder selbst mit sich ausmachen sollte, inwieweit ein solcher Skandal den eigenen Glauben erschüttern kann. Eine Zeit lang wurden ja die Journalisten angefeindet, weil sie es wagten, die katholische Kirche zu beschmutzen. Und es stimmt, der Skandal hat sicher viele gläubige Menschen verunsichert, aber es ist nicht die Schuld der Journalisten gewesen, sondern ganz allein die Schuld der Kirche, die dieses Problem aufzuarbeiten hat. Denn aus meiner Sicht kann es nur Glauben geben, wo Gerechtigkeit herrscht.

Es geht also um einen viel weiter gefassten Gerechtigkeitsbegriff?

Genau. Denn in Wahrheit waren auch all jene in diesen Skandal involviert, die sich dazu nicht geäußert haben - vom Priester über den Politiker bis hin zum einfachen Gläubigen. Und zwar deshalb, weil sie dem Problem den Rücken gekehrt hatten. In "Spotlight" geht es gar nicht so sehr um den katholischen Glauben, sondern darum, wie wir alle versuchen, einen detaillierten Blick auf die Wahrheit unbedingt zu vermeiden und so tun, als wäre alles in Ordnung. Ich finde es außerdem falsch, die Verantwortung für alles völlig in die Hände einer Glaubensrichtung zu legen. Natürlich haben mehr und mehr Menschen das Bedürfnis, Antworten im Leben bei jemandem zu finden. Menschen, die sich auf ihre eigene Reise durch das Leben begeben, werden seltener.

Fördert die verstärkte Hinwendung zum Glauben dessen Radikalität?

Zumindest kann das ein Teil des Problems werden. Radikale Lehren erlauben es den anderen, für dich zu denken, und das macht dein Leben leichter. Ich habe recherchiert, wie der IS seine Anhänger rekrutiert. Es sind junge Menschen, die aus einer chaotischen Welt stammen, wo es keine Hoffnung gibt. Jemand bietet ihnen eine Heimat an, Ordnung, Zuneigung. Die jungen Menschen denken: Diese Leute geben mir ein Leben, das ich hier nicht finde. Natürlich ist das eine Illusion, aber wenn sie das herausfinden, gibt es kein Zurück mehr.

Noch eine Frage zum Oscar. Werden Sie diesmal gewinnen?

Nicht, wenn man gegen Rocky antritt (lacht).

Im Internet kursieren Meldungen, Sie wären der nächste Columbo-Darsteller. Wahr?

Auf Twitter war das ein Renner. Es gibt einige Leute, die sich das vorstellen könnten. Auch mein Vater ist einer davon: Er sagte: "Weißt du, wen du spielen solltest? Columbo. Das wäre dein Oscar, ohne Zweifel".