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Als der 19jährige Jared seinen Eltern erklärt, dass er schwul ist, sind Marshall und Nancy schockiert. Der Baptistenprediger bringt Jared dazu, an einer zwölftägigen Konversionstherapie teilzunehmen, bei der er wieder zu einem Heterosexuellen "erzogen" werden soll. Einziger Trost für den jungen Mann: Er darf nachts aus der Einrichtung und bei seiner Mutter im Hotel übernachten. Doch je länger Jared in der Therapie der christlich-fundamentalistischen Gruppe verbringt, umso ablehnender wird seine Haltung gegenüber dem Leiter und Therapeuten Victor Sykes sowie den anderen Betreuern. Jared kann schließlich mit Hilfe seiner Mutter entkommen, die ihn auch gegen seinen Vater in Schutz nimmt.
"Boy Erased: A Memoir" des 1985 geborenen Garrad Conley ist die autobiografische Vorlage zu diesem Film von Regisseur, Drehbuchautor  und Darsteller Joel Edgerton. Der hält sich ziemlich eng an das Buch - und das ist absolut erschreckend. Allein der Gedanke, dass jemand glaubt, dass Homosexualität eine Entscheidung ist, die rückgängig gemacht werden kann, lässt einen daran zweifeln, tatsächlich im Jahr 2019 zu leben. Doch im Bible Belt, dem strenggläubigen Mittleren Westen und Süden der USA, glabut man daran, und die Therapie ist grausam - sowohl seelisch als auch körperlich. Und die psychischen Folgen sind meist massiv...
Edgerton, der die Rolle des Victor Sykes übernommen hat, geht dieses Thema schon fast nüchtern an - keine Sensationsgier, kein Zeigen von Übergriffen (bis auf eine Ausnahme), keine Melodramatik . Dafür konzentriert er sich auf die Figuren und deren Beziehungen zueinander, zeigt den familiären Hintergrund sowie die inneren Auseinandersetzungen des Protagonisten und seiner Eltern. Die sind mit Nicole Kidman und Russell Crowe glänzend besetzt, ebenso wie die Rolle des Jared: Erneut zeigt Lucas Hedges, dass er mehr als ein großes Talent ist. Ein komplexes Familiendrama, das allen Mitgliedern in allen Aspekten gerecht wird, sowie eine einnehmende Coming-of-Age-Geschichte – ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Klischees, dafür umso eindringlicher. Absolut sehenswert!
Übrigens, der echte Victor Sykes arbeitet nicht mehr als Therapeut; er lebt heute in Texas - mit seinem Ehemann...