Bei einem "Alles ist gut" ahnt man bereits, dass wohl nichts gut werden wird. Selbst bei einer grundsätzlich taffen, starken Frau. Die 30-jährige Janne (Aenne Schwarz) betont, alles sei in Ordnung, sie hätte alles im Griff. Bis sie bei einem Klassentreffen zufällig Martin (Hans Löw) kennenlernt, mit ihm viel Spaß hat. Bis sie "Nein" sagt, zuerst lachend, dann entrüstet. Doch er lässt nicht von ihr ab. Die Vergewaltigung erfolgt auf geradezu erschreckend nüchterne Art. Wobei Martin das zuerst eigentlich gar nicht wollte. Verwirrt verstrickt sich Janne in einen Strudel von Lügen und Ablenkungen. Sie versucht alles, um das Geschehene ("So etwas passiert mir doch nicht!") zu verkraften. Martin ist aber kein "Bösling", es tut ihm ehrlich leid.

"Alles ist gut" wurde, etwa auf Festivals, als wichtiger Beitrag zur #MeToo-Debatte gefeiert. Doch Eva Trobitsch erzählt in ihrem Debütfilm weit mehr, nämlich über eine Frau, die kein Opfer sein will, und wie schnell es zu sexuellen Übergriffen kommen kann, was dies bei den Beteiligten bewirkt. Dazu kommen Begegnungen der unterschiedlichen Art.

Ein kluges, noch vor der Debatte geschriebenes Drehbuch, klischeefrei, subtil, mit einer überzeugenden, hervorragenden Hauptdarstellerin. Mit vielen Fragen, die zum Nachdenken anregen. Der metaphorische Hinweis auf Ibsens "Nora" wäre zwar nicht unbedingt nötig gewesen, dient dennoch als Beweis, wie wenig sich nach über hundert Jahren prinzipiell geändert hat.