Scrooge erfindet

sich selbst

(vf) Es ist eine gelungene Mischung: Biografie und Fiction. Regisseur Bharat Nalluri erzählt die mit finanziellen Hindernissen belastete Entstehungsgeschichte von "A Christmas Carol" (1843) des Schriftstellers Charles Dickens und erweckt dafür die literarischen Figuren zum Leben: So hat scheinbar Misanthrop Ebenezer Scrooge (Christopher Plummer) die Zügel der Weihnachtsgeschichte in der Hand, und Dickens (Dan Stevens) lebt seine Marotten zwischen Genie und Wahnsinn aus. Große Schauspielkunst in einer auch sozialkritischen Weihnachtsgeschichte.

Charles Dickens: Der Mann,
der Weihnachten erfand, IRL/CDN 2017

Regie: Bharat Nalluri

Alt und jung

und erotisiert

(greu) Nach einem zufälligen Treffen lädt Daniel (Daniel Auteuil) seinen alten Freund Patrick (Gérard Depardieu) zum Essen ein, was Daniels Frau Isabelle (Sandrine Kiberlain) gar nicht recht ist: Schließlich hat Patrick seine Ex, eine Freundin von Isabelle, gegen die viel jüngere Emma (Adriana Ugarte) getauscht. Als diese dann auch zum Essen erscheint, ist Daniel von ihr komplett erotisiert. Auteuils vierte Regiearbeit nimmt sich ein Boulevardstück vor, das zwar vom Tempo gekonnt umgesetzt ist, auf humoriger Ebene aber ein paar Defizite aufweist.

Verliebt in meine Frau, F 2018

Regie: Daniel Auteuil

Liebe in Zeiten

des Kommunismus

(fan) Der polnische Regisseur erhielt 2014 für "Ida", ein reduziertes, fatalistisches Schwarz-Weiß-Drama im engen 4:3-Format, den Auslands-Oscar. Einem solchen Erfolg muss man wohl stilistisch folgen. Diesmal wurde es ein tragisches Drama in Polen von 1949, zwischen dem Komponisten Wiktor (Tomasz Kot) und der rebellischen Nachwuchssängerin Zula (Joanna Kulig). Eine selbstzerstörische Liebe. Bittersüß, an den Haaren herbeigezogen, aber für Cinephile interessant.

Cold War - Der Breitengrad der Liebe (Zimna Wojna), PL 2018

Regie: Pawel Pawlikowski

Bad Girl unter

Polit-Rappern

(fan) Die Doku spürt dem Leben von Matangi M.I.A. Arulpragasam nach: Sängerin, Rapperin, Pop-Ikone, geboren in Sri Lanka, als Tochter eines Tamil-Tiger-Rebellen. Mit neun Jahren musste sie mit Mutter und Geschwistern nach London fliehen. Erfahrungen mit dem Regime prägten künstlerische wie politische Haltung. Meist vom "Bad Girl" selbst gedrehtes Material wird zum etwas wirren Hymnus an die "Aktivistin", die durch Berühmtheit eigentlich nur ihr Trauma bewältigen will.

Matangi / Maya / M.I.A., USA/GB/LKA 2018

Regie: Steve Loveridge