Es ist der Friedhof der Elektrogeräte. Sie werden von Europa illegal nach Accra, der Hauptstadt von Ghana, geschifft und dort in alle ihre Einzelteile zerlegt. Diese werden von den Bewohnern gesammelt - vor allem Kupfer, Aluminium, Zink und Eisen - und für wenig Geld wiederverkauft, um dann erneut verarbeitet zu werden. "Und irgendwann landen sie dann wieder hier bei uns", erzählt einer der Bewohner von Sodom - so nennt man dort die Müllhalde im Stadtteil Agbogbloshie.

Stimmen aus dem Off

Die beiden heimischen Regisseure Florian Weigensamer und Christian Krönes porträtieren in sehr langen, ruhigen Schwenks beinahe schon poetisch, aber ohne zu verharmlosen, das Elend dieses Orts: Um Kupfer aus den Drähten zu erhalten, werden diese verbrannt. Die giftigen Dämpfe kümmern niemanden, für Schutzmaßnahmen gibt es weder das Wissen darüber noch das nötige Geld. Man möchte ja in Sodom nicht alt werden, sagt dann eine weibliche Stimme aus dem Off. Um die Hitze zu ertragen, berauscht man sich. Tiefschwarze Nebelschwaden umhüllen Rinder- oder Schafherden. Ja, auch diese gibt es auf dem ehemaligen Sumpfgebiet, das heute noch "Menschen verschluckt", erzählt ein Mädchen, dass sich die Haare geschoren hat, um als Bub Eisen verkaufen zu können.

Die Bilder, jede Einstellung könnte für den World Press Photo Award nominiert sein, werden von den erzählenden Protagonisten getragen, deren Schicksale die Kehrseite der Medaille des digitalen Zeitalters zeigen.

Dokumentation

Welcome To Sodom, A 2018

Regie: Florian Weigensamer und Christian Krönes