Wenn man schon klaut, dann muss es sich aber so wirklich auszahlen: eine Ducati oder ein Lamborghini, selbstverständlich in Schwarz. Denn Lisbeth Salander will ja nicht auffallen, wenn sie vor NSA und FBI durch die dunkle Nacht flüchtet.

Autor David Lagercrantz setzte nach dem Tod von Bestseller-Autor Stieg Larsson die "Millennium"-Romanreihe fort, 2015 erschien der vierte Band "Verschwörung": Larssons Cyberhackerin Lisbeth Salander hat wieder einmal mächtige Feinde. Sie wird von Ex-NSA-Mitarbeiter Frans Balder angeheuert, um von der NSA ein Programm, das er selbst entwickelt hat, zu stehlen - damit es nicht in die falschen Hände gerät, denn Balder hat das Vertrauen in die Amerikaner verloren. Und diese Software ermöglicht immerhin, die weltweite Kontrolle über alle Nuklearraketen zu übernehmen. Salander gelingt der Diebstahl, doch ein Überfall durchkreuzt ihre Pläne, die Software wird abermals gestohlen. Als Balder ermordet wird, eskaliert die Situation: Salander wird fälschlicherweise verdächtigt. Die Jagd beginnt. Verfolgt von NSA und dem schwedischen Geheimdienst hetzt Salander dem Netzwerk von Waffenhändler, genannt "Spinnen", nach, das in Verbindung mit ihrer familiären Vergangenheit steht. Natürlich arbeitet sie wieder mit dem Journalisten Mikael Blomkvist zusammen.

Superheldin Salander

Was sich nach reinem Action-Thriller anhört, ist in dieser Verfilmung von Regisseur Fede Alvarez auch dazu geworden, ja: erinnert sogar an manche James-Bond-Filme im Hochglanz-Hollywood-Stil fern des typischen Schwedenkrimis. Lisbeth Salander ist immer noch die Heldin, wenn sie auch in weißer Schminke während des Rachevollzugs an einem Frauenmisshandler eher als Superheldin aus dem Marvel-Universum erscheint. Claire Foy ("Unsane") hat nach Noomi Rapace und Rooney Mara die Rolle der ambivalenten Salander übernommen, die diesmal zwar mit etwas geglätteten Ecken und Kanten die Welt rettet, aber dennoch nichts an ihrer Faszination des übermenschlichen Menschlichen einbüßt. Alvarez richtet seinen Fokus rein auf diese Hauptrolle und lässt die prominent besetzten Nebenfiguren mit Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks oder Vicky Krieps komplett in einer langweiligen Nichtigkeit verschwinden.

Dafür gibt es diesmal mehr Verfolgungsjagden denn je und einen Rückblick in Salanders Kindheit mit ihrer Schwester und ihrem kriminellen und brutalen Vater. So manche verkorkste Verhaltensweise Salanders wird damit klarer.

Insgesamt ist Alvarez’ Inszenierung ein durchaus solider Hollywood-Action-Thriller, der in seinen grau-schwarzen Bildern Liebhaber dieses Genres begeistern wird. Es fehlt nicht an Rache, vermeintlicher Macht und Ohnmacht sowie technischen Raffinessen. Auch wenn Salander dem Mainstreamkino angepasst wurde - sozusagen Jane Bond.

Thriller

Verschwörung -The Girl
In The Spider’s Web,

B/D/S/CDN/USA 2018

Regie: Fede Alvarez

Mit Claire Foy, Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks, Lakeith Stanfield,

Claes Bang, Vicky Krieps