Harvard in den 1950ern. Der Dekan fragte neun Studentinnen, die sich einen Platz unter 500 Männer erkämpft hatten: "Wie können sie es rechtfertigen, einem Mann den Platz wegzunehmen?"

Der auslösende Moment für eine der Studentinnen, Ruth Bader Ginsburg, derartige Fragen nie wieder hören zu wollen. Trotz ihres erkrankten Ehemannes und der Verantwortung für die kleine Tochter, schloss sie ihr Jus-Studium als Jahrgangs-Beste ab. Inzwischen ist sie 85 Jahre und ungebrochen aktiv. Mit dem besonderen Anliegen für die Gleichstellung der Geschlechter. Dabei bleibt die kleine, zierliche Frau stets unaufdringlich ruhig, Intelligenz und Charisma sprechen für sich. In den 1970er Jahren wurde sie zur Ikone "RBG", 1993 als zweite Frau in den Supreme Court in Washington, D.C., berufen. Dort ist sie bis heute tätig. Diese einzigartige Persönlichkeit wurde in der Doku drei Jahre lang begleitet. Wobei auch von Jugend an wertvolle Infos mit eingeblendet werden. Bei aller Ausgeglichenheit nimmt sie sich, ernst oder humorvoll, kein Blatt vor den Mund. Etwa: "Trump ist ein Täuscher". Viele aus dem Umfeld kommen zu Wort. Ihr ganz wunderbarer, stets engagierter Ehemann, ein Wirtschaftsjurist, wird ebenso gewürdigt. Nach 56 Ehejahren starb er 2010. Eine in aller Ruhe spannende, agile Lebensgeschichte, die aufzeigt, warum ihr "Leben für Gerechtigkeit" auch außerhalb der USA von großer, aktueller Relevanz ist. Ab 1. März folgt ihr Spielfilm-Biopic "Die Berufung".