Es war ein Sommer der Rockmusik: Kurz vor dem Beginn der Perestroika siedelt Regisseur Kirill Serebrennikow sein Drama "Leto" (russisch für "Sommer") an. Im Leningrad der frühen 80er Jahre werden Platten von Lou Reed und David Bowie unter der Hand gehandelt, weil sie offiziell verboten sind. Eine Underground-Rockerszene ist am Entstehen, einer ihrer ersten Protagonisten ist Mike Naumenko (Roman Bilyk), dessen Band Zoopark die Jugendlichen begeistert, der aber auch haarscharf an den Grenzen der Zensur entlang schrammt.

Abseits der Bühne lebt Mike ein brav-biederes Leben mit seiner Frau Natascha (Irina Starshenbaum) und ihrem gemeinsamen Kind. Eines Tages trifft Mike auf den jungen Rocker Viktor Tsoï (Teo Yoo), der ihm unbedingt vorsingen will. Mike erkennt Victors Talent und fördert ihn. Doch die neue Freundschaft zwischen den beiden bekommt Risse, als Victor und Natascha sich immer näher kommen.

"Leto" ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rockmusik aus dem Leningrad jener Tage, getaucht in atmosphärisch dichte Schwarzweiß-Bilder von Vladislav Opelyants. Zur fiebrig-intensiven Rockmusik und den oftmals impulsiv agierenden Protagonisten gesellt sich hier aber auch eine große Portion Melancholie. Regisseur Serebrennikow musste den Film im Alleingang von zuhause aus vollenden, nachdem er im August 2017 wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern unter Hausarrest gestellt wurde und seither auf ein Urteil im Prozess gegen ihn wartet.