Ein Spider-Man allein genügt nicht, es sollen mehrere sein, die aus verschiedenen Dimensionen nach New York kommen, weil hier der übermächtige Gangster Kingpin mit seinem wahrlich (körperlich) massigen Durchsetzungsvermögen ein Portal in eben jene Paralleldimensionen geöffnet hat, nachdem er den originalen Spider-Man alias Peter Parker mithilfe von Green Goblin getötet hat.

Man muss diese fantasiereiche Comicwelt nicht restlos verstehen oder hinterfragen, um "Spider-Man: A New Universe" unterhaltsam zu finden. Die beiden Regisseure Bob Persichetti und Peter Ramsey füllen ihren Spider-Trickfilm mit so vielen spaßigen Einfällen und auch mit Meta-Verweisen auf die Comics, dass es um die Handlung eigentlich gar nicht geht, sondern nur um die Figuren und ihre ziemlich scharfe Zeichnung.

Da steht der totgeglaubte Peter Parker plötzlich wieder lebend da, weil er eben aus besagtem Paralleluniversum vorbeischaut. Bald schon treffen eine Reihe verschiedener weiterer Spider-Männer und Spider-Frauen ein, darunter Gwen Stacy alias Spider-Gwen, Spider-Man Noir und Spider-Ham, ein kleines Schweinchen mit Spider-Kostüm, das eigentlich Peter Porker heißt. Ha! Ha!

Im Zentrum aber steht der Teenager Miles Morales. Der sprüht eigentlich lieber Graffiti auf die Wände verlassener U-Bahn-Schächte, was ein waschechter New Yorker eben so macht. Just bei einer dieser Sprayer-Aktionen lauert ihm eine radioaktive Spinne auf, die er zunächst ganz unängstlich von der Bisswunde schmeißt. Doch seit seinem Spinnenbiss spürt er seltsame Kräfte, die er noch nicht beherrschen kann und an die er sich erst gewöhnen muss. Er ist der Neue im Bunde der ganzen Spinnen-Helden und ist - das ist wohl der sich ändernden Demografie der Zuschauer geschuldet - der erste Latino im Spider-Man-Universum. Die Message ist klar: Jeder von uns kann Spider-Man sein, ob schwarz, ob weiß, ob Mann, ob Frau. Und zugleich ist Morales die ideale Identifikationsfigur für diese stark wachsende Bevölkerungsgruppe.

Die Message ist simpel

Comicverfilmungen haben meist simple Kernaussagen, an denen sich die jugendliche Zielgruppe leicht orientieren kann. Möglichst sollten diese Messages von einer besseren Welt subtil im Plot versteckt sein, damit das alles auch glaubhaft ist und nicht belehrend.

Das gelingt in "Spider-Man: A New Universe" vorzüglich, zumal der Film auch mit seiner Optik zu gefallen weiß: Die beiden Regisseure und ihre Produzenten, das "Lego-Movie"-Duo Phil Lord und Chris Miller, haben viel Energie damit verwendet, das 3D-Trickfilmabenteuer wie ein Comic Book zu gestalten. Da kann es schon passieren, dass Spider-Man durch eine Landschaft von Sprechblasen und Textboxen geht, die seine Gedanken verschriftlichen. Man hat das Gefühl, ein Comic zu lesen, und auch vom Tempo und dem Erzählduktus funktioniert "Spider-Man: A New Universe" sehr gut.

Seinen Charme bezieht der Film aus dem Umstand, dass Superhelden eben auch (fast immer) nur Menschen sind, die Fehler haben wie du und ich. Dass Peter Parker hier bereits leichtes Bauchfett ansetzt, erinnert alle von uns daran, dass selbst Helden irgendwann einmal unter ihren Jahresringen zu leiden haben. Nicht nur wir.