Der Aquaman ist etwas Besonderes im Universum der Superhelden. Er ist halb Mensch, halb Meereswesen, kann also in Menschengestalt ebenso schnell schwimmen wie der schnellste Hai, bei zeitgleicher Unterwasseratmung ohne sichtbare Kiemen. Und weil es Mode ist, haben ihm DC und Warner einen eigenen abendfüllenden Actionfilm spendiert, in dem Aquaman (Jason Momoa) die oben beschriebenen Fähigkeiten effektgeladen dafür einsetzt, einen gigantischen Krieg zu vereiteln, den sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson), der König des Unterwasserreichs, angezettelt hat. Orm will die Zerstörung der Meere verhindern, und sein Krieg richtet sich gegen die Verursacher: die Menschen. Aquaman muss nun - gemeinsam mit Mera (Amber Heard) - den Dreizack des ersten Königs von Atlantis finden, damit man ihm seinen Anspruch auf den Unterwasserthron abkauft.

Das alles klingt nach furchtbar viel Plot, dem ist aber nicht so, im Gegenteil: "Aquaman" ist einer der brutalsten No-Brainer im Comic-Universum seit langer Zeit, bei dem alles auf (3D-)Effekte ausgelegt ist, auf Unterwasserkämpfe und -schlachten, auf spektakuläre Bilder und noch spektakulärere Inszenierung einer proletoiden Männlichkeit, wie man sie lange nicht auf der Leinwand gesehen hat; wenn Aquaman fallweise seinen menschlichen Vater Tom Curry (Temuera Morrison) an Land besucht, dann kann es gut sein, dass Vater und Sohn sich in der Hafenspelunke mit literweise Fassbier gezielt ins Jenseits schießen, dabei mit ein paar rauen Gesellen im Rausch ein paar richtig üble Selfies schießen, die die Combo kurz vorm Kotzen zeigen. Ein Vorbild für die Jugend ist dieser Aquaman nicht.

Wenn Aquaman seine Gegner vermöbelt, etwa während einer Befreiungsaktion auf einem russischen U-Boot, ist er ganz stahlharter Testosteron-Riegel: Von seinem nackten, mit Schuppenmuster tätowierten Oberkörper prallen jegliche Gewehrsalven ab, und weil das Eisen eines U-Boots sehr hart ist, tut das den Leuten, die auf ihn geschossen haben, in der Folge alles auch sehr weh. Die 3D-Technik ist hier wie schon lange nicht auf Raum- und Tiefeneffekte aufgebaut, es braucht also auch einen guten Magen.

Auch die Romantik darf unter Wasser nicht fehlen

Dass sich das Unterwassergetümmel bis zum Finale aufschaukelt wie ein wild gewordener Tsunami, gehört zu Blockbustern dieser Art dazu. Und auch eine Dosis Liebe, nämlich als zu Beginn Aquamans Mutter Atlanna, gespielt von Nicole Kidman, vom Ozean ans Land ausgespuckt wird, wo sie sein Vater findet und aufpäppelt, was schließlich in Aquamans Geburt mündet; romantischer Kitsch darf auch im Unterwasserkrieg nicht fehlen. Ganz lustig sieht dabei Nicole Kidman aus: Man könnte glauben, sie sei in ein Bouquet voller Botox-Spritzen gefallen, so 25-jährig sieht die 51-jährige in dieser Eröffnungssequenz von "Aquaman" aus.

Regisseur James Wan entgleitet im Verlauf des Films dessen Dramaturgie immer mehr, weil Action und Effekte in den an sich spektakulären Unterwasser-Settings überhandnehmen. Mit der Besetzung Jason Momoas hat er aber einen Trumpf im Ärmel: Der lässige Haudrauf mit stahlharter Physis vermag das Actionabenteuer wenigstens stellenweise launig zu halten. Man möchte Momoa dafür danken, und ihm ein paar Bier spendieren.