"Mary Poppins" gehört längst zu den Unterhaltungs-Kultklassikern. Mehr als ein halbes Jahrhundert später kehrt das "zauberhafte" Kindermädchen auf die Leinwand zurück. Doch ebenso könnte die Zeit stehen geblieben sein, so behutsam und nostalgisch geht Musicalspezialist Rob Marshall mit dem Mix aus Real- und Animationsfilm um. Zentrum ist wieder der Kirschbaumweg Nr. 17 in einem künstlich anzusehenden London. Marys (Emily Blunt) bester Freund ist diesmal der Lampenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda). In den 1930er Jahren sind ihre einstigen Schützlinge Jane (Emily Mortimer) und ihr Bruder Michael (Ben Whishaw) Banks längst erwachsen und staunen, als ihre Nanny wieder zur Tür reinkommt. Ist Michael doch überzeugt, dass seine drei Kinder keine Erziehungsbevollmächtigte brauchen. Doch dem ist klarer Weise nicht so. Denn die Banks haben unter der gewaltigen Krisenzeit zu leiden. Die Kinder haben vor kurzem ihre Mutter verloren, die Familie droht ihr Haus an den scheinheiligen Bankdirektor Wilkins (Colin Firth) zu verlieren. Zum Neuerwerb von Mut, Selbstständigkeit, Lebensfreude brauchen sie also ihren Schutzengel.

Neben den erfreulichen Neuansätzen bleibt es bei Singen, Tanzen und der nicht ganz glaubwürdigen Leichtigkeit. Blendend gibt sich Emily Blunt, die Show stehlen aber die kurzen Gastauftritte von Dick Van Dyke und der herrlich schrägen Meryl Streep. Sehr beschwingt, unterhaltsam, an das Original kommt die Rückkehr jedoch nicht heran.