Zu seinem 50. Geburtstag im Dezember 2014 hatte Entertainer und Multitalent Hape Kerkeling die Showkarriere offiziell beendet. Ein Jahr später wurde sein Bestseller "Ich bin dann mal weg" ebenso erfolgreich verfilmt. Mit Devid Striesow in der Hauptrolle. Bei seiner ereignisreichen Reise über den Jakobsweg werden auch Szenen aus seiner Kindheit und früher Jugend im Ruhrgebiet der 1970er Jahre eingestreut. Danach widmete sich Kerkeling dem Buch "Der Junge muss an die frische Luft", das sich auch eine Million Mal verkaufte. In 19 Kapiteln erzählt er darin von ersten Erinnerungen, frühen Lebensjahren, wozu Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und der erste Farbfernseher gehören.

Dann die dramatische Wendung: Der schreckliche Tod seiner Mutter, durch krankeitsbedingte, immer stärker werdende Depression, die Ratlosigkeit seines zu oft abwesenden Vaters. Das beeinflusst natürlich die Unbeschwertheit des 9-jährigen Hans-Peter, wie sein Vorname lautet, die zunehmend gebrochen wird.

Quasi als Selbsttherapie gegen die traumatisierenden Erlebnisse entwickelt er sein komödiantisches Talent. Seine Parodien und Witze wissen zu begeistern. Im Finale des Films werden die Bezüge zum Erwachsenen angedeutet, etwa die Moderation von "Unterwegs in der Weltgeschichte" oder der Figur des Horst Schlämmer, der einem schwerkranken Mädchen eine Freude machen soll. Insgesamt ein Sammelsurium von Auf und Ab zwischen Komik und Schmerz, Humor und Ernst, das Kerkeling prägte. Emotionell stark, aber unsentimental und ehrlich. Die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika") meinte: "Selten hat mich eine Geschichte so angerührt wie diese in der jungen Bundesrepublik der 60er und 70er Jahre. Ein kleiner, blonder, pummeliger Junge, der die besondere Fähigkeit hat, andere zum Lachen zu bringen und der versucht, mit dieser Gabe seine Welt zu retten."

Dem entsprechend liebevoll fällt der Film aus. Neben der tollen Schauspielerriege zu erwähnen ist der fabelhafte 9-jährige Julius Weckauf in seiner ersten Rolle. Auch Kerkeling selbst war von seinem Kind-Ego sehr angetan.

Ein gelungenes, flottes, der Wirklichkeit verpflichtetes Jugendporträt.