Sidonie-Gabrielle Colette (1873-1954) war eine französische Schriftstellerin, Varietékünstlerin, Journalistin. Doch bis zum erfolgreichen Aufstieg musste sie auf steinigen Wegen wandern. Mit einer Wanderung der 16-Jährigen beginnt auch diese Filmbiografie über ihre frühen Jahre.

Als Zuschauer hat man das seltsame Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, unehrlich ist: Ihr Vater (Robert Pugh) und ihre Mutter (Fiona Shaw) empfangen in der Provinz den 30-jährigen Henry Gauthier-Villars. Sollte er dem Teenie etwa einen streng formalen Heiratsantrag machen, zu dem es nicht kommt? Bis Gabrielle davonschleicht, um in einem abgelegenen Heuschober mit ihm herumzuschmusen.

Bald darauf macht aber alles Sinn: Die scheinbare Unschuld des Mädchens entpuppt sich als ambivalente Mischung aus Mut zur Lüge und Sehnsucht nach mehr. Sie will nur weg, nimmt den erfolgreichen Schriftsteller mit dem Pseudonym Willy zum Anlass, mit ihm nach Paris zu ziehen und zu heiraten. Doch dort ist sie nur Außenseiterin. Auch Willys stürmische Liebesbezeugungen vermögen sie nicht zu trösten, denn sie erkennt bald, dass er sie wegen des "freien Lebens" betrügt und anlügt. Doch, fast schon nach Screwball-Art schlägt sie vor, ihr ehrlich entgegenzukommen, an seinem Leben teilnehmen zu lassen, wofür sie ihn so hinnehmen will, wie er ist. Doch das wird alles andere als einfach.

Der skrupellose Lebemann leidet an Schreibblockade. Als er draufkommt, dass sie gut Geschichten schreiben kann, nutzt er sie erbarmungslos als Ghostwriterin aus. Doch sie probt natürlich nach einiger Zeit den Aufstand. Nicht nur, dass sie eine lesbische Beziehung eingeht. Sie beginnt auch eine eigene Karriere als Schriftstellerin. Damit endet bedauerlicherweise der Film.

Man hätte gerne mehr über den Werdegang einer der bedeutendsten Autorinnen in einer "verruchten Zeit" zu sehen bekommen. Das liegt vor allem an der empfindsamen Darstellung von Keira Knightley im Reifungsprozess von Naivität bis zur Erfahrungsgier eines erwachenden Geistes. Auch Dominic West ist als zynischer, alternder Hallodri so überzeugend, dass er Aggressionen weckt.