Vor zehn Jahren hatte er angekündigt, nach "Grand Torino", nicht mehr selbst vor der Kamera stehen zu wollen. Mit 88 Jahren hat es sich Clint Eastwood dann doch anders überlegt. Und er hat es nach wie vor drauf. Vor allem wertet er das auf dem "NY Times"-Artikel "The Sinaloa Cartel’s 90-Year Old Drug Mule" beruhende, nicht besonders starke Skript, deutlich auf.

Der Weltkriegsveteran Leo Sharp (1924-2016) besaß eine Blumenfarm. In den späten 1990er Jahren ging es mit seinem Geschäft bergab. Worauf er begann, für das mexikanische Kartell Drogen zu transportieren, bis er 2011 festgenommen wurde. An seinem 90. Geburtstag zu drei Jahren Haft verurteilt, wurde er ein Jahr später wegen gesundheitlicher Probleme entlassen. Im Kino heißt er nun Earl Stone. Die Grundgeschichte hält sich weitgehend an die Fakten, doch Selbsterkenntnis, Reue gegen die vernachlässigte Familie, sind Hollywood-like dazu gedichtet. Zusätzlich zu abgegriffenen Klischees, spielen auch Drogen selbst keine Rolle. Als gelungen kann man den Film nur dann bezeichnen, wenn der weltfremde Earl etwa in seinem Pick-up-Truck Sinatra-Klassiker singt. Seinem Charme können sich nicht einmal die ihn heimlich abhörenden, aber zu harmlos wirkenden Kartell-Killer entziehen. Ähnlich wie der immens ehrgeizige FBI-Agent und Drogenfahnder Colin Bates (Bradley Cooper). Lange kommt er nicht auf die Idee, Earl zu verdächtigen. Diese und ähnliche Sequenzen genügen völlig, um die Performance von Eastwood sehenswert zu machen.