Wenn der schwarze Musiker Don Shirley (Mahershala Ali) im Süden der USA im Jahre 1962 auf dem Weg zur Bühne ist, um eines seiner berühmten Konzerte zu spielen, die zwischen Jazz, Pop und Klassik changieren und ihn sehr berühmt gemacht haben, wenn dieser Don Shirley also zur Bühne geht, dann erlebt er dieselben Annehmlichkeiten wie zuhause in New York, wo er in einer edel eingerichteten Luxuswohnung oberhalb der Carnegie Hall wohnt. Doch gleich nach dem Konzert schwappt ihm der ganze Rassismus der Südstaaten mit all seiner Härte ins Gesicht, nämlich, wenn ihm schon ein Drink an der Hotelbar verwehrt bleibt, und eine Übernachtung sowieso, sodass er stattdessen in einer heruntergekommenen Absteige schlafen muss.

Die Zeiten sind nicht leicht für den virtuosen Don Shirley, der zusammen mit dem Italo-Amerikaner Tony Lip (Viggo Mortensen) auf Konzerttournee vom eher toleranten New York bis in den tiefsten Süden unterwegs ist, wo der Rassismus in voller Blüte steht. Don Shirley hat Tony Lip per Inserat gefunden, als seinen Fahrer; es ist ein ungleiches Männerduo, der eine Künstler, der andere ein Gelegenheitsarbeiter und Türsteher. Beide kommen sich während der Reise näher, es entsteht eine Freundschaft.

Wo Schwarze willkommen sind

"Green Book" hat seinen Titel vom "Negro Motorist Green Book", an dem sich Don Shirley und Tony Lip während ihrer Reise orientieren: Es listet alle Unterkünfte und Restaurants auf, in denen auch schwarze Gäste willkommen sind. Dennoch muss Tony Lip seinem Boss nicht selten auch mit der Kraft seiner Fäuste zur Verfügung stehen, nämlich dann, wenn aufgebrachte weiße Amerikaner auf ihr "Recht" pochen, nicht von Schwarzen belästigt zu werden, die sie wie Aussätzige behandeln.

Die wahre Geschichte um Don Shirley (1927-2013) ist von Komödienspezialist Peter Farrelly ("Verrückt nach Mary") in Szene gesetzt worden, der damit auch beweist, das ernste Fach bespielen zu können, und mit "Green Book" eine solide Arbeit abliefert, die zwar brav innerhalb der Erzählkonventionen des Hollywood-Kinos bleibt, dafür aber mit einem überaus feinsinnig besetzten Cast aufwarten kann: Mahershala Ali, 2017 oscarprämiert für "Moonlight", zeichnet Don Shirley als kunstsinnigen Intellektuellen und intelligenten Künstler. Viggo Mortensens Tony Lip wiederum ist sein Konterpart, ein grobschlächtiger, aber herzensguter Mann von der Straße, der stets leidenschaftlich agiert. Die Freundschaft, die sich zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt, speist sich aus der Solidarität zueinander, die stärker wird, je schlimmer die rassistischen Übergriffe auf Don Shirley werden. Regisseur Farrelly hat dabei das richtige Gespür für das zwischenmenschliche Timing in der Figurenentwicklung - und platziert so manche Pointe, sodass "Green Book" auch von der Komödienerfahrung Farrellys profitieren kann.

Ein Film wie "Green Book" hat allein seines Themas wegen schon gute Chancen auf einen Oscar-Regen (er ist dieses Jahr fünffach nominiert). Er ist aber vor allem die Sorte von Kino, die das reaktionäre Trump-Amerika derzeit besonders braucht.