Die Erzählung von André Heller "Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein" erschien 2008. Sie soll autobiografische Züge enthalten. Über den zwölfjährigen Paul Silberstein, der unter seinem eiskalten, herzlosen, despotischen Vater so lange leidet, bis dieser plötzlich stirbt. Was für den Jungen Befreiung und Erlösung bedeutet.

Als Paul zu seinen Lebzeiten gewagt hatte, sich ihm zu widersetzen, wurde er in ein jesuitisches Internat verwiesen, für ihn ein Gefängnis. Durch Fantasien und Träume versuchte der dennoch Unbeugsame, in seine eigene Welt zu entfliehen. Bei Vaters Begräbnis trifft er auf drei Onkel, die ihn über die Familiengeschichte aufklären, wodurch Paul seinen Vater erst post mortem besser kennenlernt.

Bei der Vorlage und auch der Verfilmung ist es sehr schwer, zwischen Wirklichkeit und Erfindung zu unterscheiden. Am besten, man trennt die Geschichte vom Namen Heller, betrachtet sie als ungewöhnliche, düstere Coming-of-Age-Selbstfindung. Gespielt wird jedenfalls erstklassig.

Der 15-jährige Valentin Hagg geht äußerst glaubhaft in seiner Rolle auf. Karl Markovics als Vater agiert derart unsympathisch, dass man seinen Sohn gut verstehen kann. Gleichzeitig lässt er in seiner Darstellung eigene Probleme durchschimmern, dass man gespannt auf die Hintergründe des Charakters wartet. Auch Sabine Timoteo als sich hinter Masken der Gleichgültigkeit versteckende Mutter, passt dazu. Insgesamt ein zwiespältig aufzunehmendes, aber beeindruckendes Biopic, sofern es eines ist.