Nach dem erfolgreichen Social-Horror-Thriller "Get Out" überlegte Jordan Peele zwar ein Sequel, doch Vorrang sollten andere Gesellschafts-Thriller haben. "Die besten und furchterregendsten Monster in der Welt sind menschliche Wesen und wozu wir in der Lage sind, besonders wenn wir aufeinandertreffen. Jeder weitere Film soll von einem anderen dieser sozialen Dämonen handeln." Es ginge ihm nicht um Rassismus, sondern dass wir unsere eigenen schlimmsten Feinde seien.

Wie viel Böses steckt in uns?

Solche Geschichten würden das beste Mittel sein, zu tieferen Wahrheiten vorzudringen, unseren Ängsten als Gesellschaft entgegenzutreten. Genau darum geht es in "Wir", wohl angeregt durch das Strukturmodell der Psyche von Sigmund Freud. Dessen "Es" gilt als Hort der Triebregungen, als "Kessel voll brodelnder Erregungen". Das ist ebenso vielschichtig und schwierig, wie es klingt. In "Wir" wird Freuds Modell durch farbige und weiße Protagonisten mit Doppelgängern verkörpert. Verdrängte Traumata erstehen aus dem Unbewussten auf, negative Spiegelbild treten ans Licht, die Skala reicht bis hin zum Mord.

Der Horror fällt dabei blutiger aus als bei "Get Out", auf plakative Schock- und Schreckeffekte wird nahezu verzichtet. Die sind auch überflüssig bei der komplexen Metapher, die trotz einiger Twists allmählich verständlich wird. Die Frage, wie viel Böses in uns selber steckt, ist der wahre Gruseleffekt dieses Meisterwerks.